Origanum vulgare, auch als Dost oder Wilder Majoran bekannt (Bild: pixabay.com/gosia64)

Wildstaude 2022 – Der Dost

Bioterra nimmt ihr 75-Jahr-Jubiläum zum Anlass, um künftig jedes Jahr eine Wildstaude zu küren und damit ein Zeichen für die Förderung der Biodiversität zu setzen. Den Auftakt als Wildstaude des Jahres 2022 macht ein Küchenkraut: der Dost, auch bekannt als Wilder Majoran oder Oregano.

Text von Adrian Möhl

Man müsste eine neue Sprache erfinden, um ihn in Worte zu fassen. Denn wie den einzigartigen würzigen Duft charakterisieren, der sich verbreitet, wenn man seine Blätter zerdrückt? Wie die zarten Lippenblüten beschreiben, die er im Hochsommer wie Pompons in die Höhe streckt, um gaukelnde Schmetterlinge anzuziehen? Welche Schmeicheleien erfinden, um seiner schier unermüdlichen Blühfreude gerecht zu werden? Und wenn er zusammen mit der Echten Goldrute ein rosa-goldenes Duett aufführt, fehlen ohnehin die Worte. Wahrlich keine leichte Aufgabe, der Pflanze des Jahres mit Worten gerecht zu werden.

Versuchen wir es trotzdem und fangen wir mit dem Namen an: Weil die Art schon seit je als Würz- und Heilpflanze verwendet wird, trägt sie viele Lokalnamen, die aber meist Spielarten von Majoran sind. Majoran bezeichnet aber eigentlich die nahe verwandte, einjährige Art Origanum majorana, den Garten-Majoran, welcher ursprünglich aus Zypern und der Türkei stammt und unserem Dost in vielerlei Hinsicht ähnelt, aber weiss blüht und stärkere ätherische Öle besitzt. Die Wurzeln des wissenschaftlichen Namens sind indes etwas diffuser. Sicher war die Pflanze schon den Römern als Origanum bekannt. Ob sich der Name aus oros für «Berg» und ganos für «glänzend» oder «Zierde» ableiten lässt, darüber streiten sich die Sprachwissenschaftler.

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Raschwüchsige Staude mit zartrosa Blüten, die bis 60 cm hoch wird. Anspruchsloser Liebhaber von Halbschatten und durchlässigen Böden, der besonders mit seiner langen Blütezeit und seiner Beliebtheit bei Insekten überzeugt.

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Verwechseln lässt sich der Dost mit kaum einer anderen Art der einheimischen Flora. Zu unverkennbar sind seine rosa-violetten Lippenblüten, die etwas denjenigen von Thymian ähneln. Anders als beim Thymian sind die Blätter aber viel grösser, länglich-eiförmig und am Rand niemals umgerollt. Einziger Kandidat, mit dem doch noch eine Verwechslung möglich wäre, ist der Wirbeldost Clinopodium vulgare. Bei dieser Art reichen aber die Griffel nicht weit aus den Blüten wie bei unserem Dost, und anders als unsere Pflanze des Jahres blüht der Wirbeldost kräftig in Pink. Ohne Blüten ähneln sich die beiden aber sehr. Es gibt jedoch einen guten Trick, um die beiden Arten zu unterscheiden. Schaut man die Blattunterseite des Dosts genauer an, entdeckt man überall kleine «Krater», die beim Wirbeldost fehlen. Es handelt sich um die Ölbehälter. Hier werden die ätherischen Öle gespeichert, welche dem Dost seinen charakteristischen Geruch verleihen.

Macht man sich auf die Suche nach dem Dost, so ist man meist schnell erfolgreich – es handelt sich um eine durchaus häufige Art der einheimischen Flora. Besonders schnell fündig wird man an Waldrändern, sonnigen Heckensäumen oder wenig genutzten Trockenweiden – hier ist der Dost mit grosser Wahrscheinlichkeit zu finden. Sein Verbreitungsgebiet ist riesig und erstreckt sich von der französischen Atlantikküste bis an den Baikalsee. Bei der genauen Identität kann es mitunter etwas schwieriger werden – besonders in den mediterranen Ländern sind zahlreiche Unterarten beschrieben, welche nicht immer ganz leicht zu unterscheiden sind. Ohnehin hat die Gattung Origanum dort noch ganz Erstaunliches zu bieten. Wer einmal die Arten der griechischen Inseln und der Türkei gesehen hat, möchte am liebsten einen Dost-Garten anlegen. Doch da viele dieser hoch spezialisierten Arten schwierig in der Pflege sind, halten wir uns lieber an unseren einheimischen Dost. Bietet man ihm einen sonnigen oder halbschattigen Platz im Garten und hält man ihm die Konkurrenz vom Leibe, so entwickelt sich der Dost meist schon im ersten Jahr zum blühfreudigen Wunderknaben. Wenn er die Wahl hat, zieht er einen durchlässigen, basischen Boden vor, ist aber alles andere als wählerisch.

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Wildstaude des Jahres

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Einheimischen Wildstauden sind winterhart und treiben im Frühling wieder aus – im Gegensatz zu einjährigen Zierpflanzen, die nach einer Saison bereits ausgedient haben und immer wieder neu gekauft werden müssen. Einheimische Wildstauden sind nachhaltig, robust, pflegeleicht und noch dazu die natürlichen Futterpflanzen für unsere Insekten – die ideale Wahl also für den Bio- und Naturgarten. Aus diesem Grund hat Bioterra beschlossen, künftig jedes Jahr eine einheimische Wildstaude zu küren, um auf diese langlebigen Blütenpflanzen und ihre Bedeutung für die Biodiversität aufmerksam zu machen.

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