Einfache Mischkultur für Hoch- und Gartenbeete

Ob in einem Hochbeet-Gärtchen mitten in der City, in einem Familiengarten oder Hausgarten – Gemüse in Mischkultur ist in kleinen oder grossen Beeten möglich. Biogarten-Fachfrau Brigitte Bosshard stellt eine einfache Mischkultur zum Saisonstart vor.

Von Brigitte Bosshard

Urban Gardening und das Anpflanzen von Gemüse auch auf kleinstem Raum scheint nicht nur ein kurzfristiger, sondern ein andauernder Trend zu sein. Besonders schön und attraktiv sehen die mit verschiedenen Gemüse und Kräutern bepflanzten Hochbeete, Paloxen, Bacsacs und Kisten aus. Dazu ist aber bereits ein kleines Grundwissen über Mischkultur, Fruchtfolge, Saat- und Erntezeitpunkt und Platzansprüche der Pflanzen nötig.

Emanuel Zimmermann, ehemaliger Gartenausbildner für Bäuerinnen am Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum LBBZ Schüpfheim, heute mit eigener Gärtnerei für Bioanbau von Schnittblumen, hat ein einfaches Mischkultursystem mit vierjähriger Fruchtfolge entwickelt. Er schlägt vor, auf einem Beet reihenweise Pflanzen aus nur zwei Familien wie beispielsweise Kreuzblütler und Gänsefussgewächse anzubauen. Zusätzlich können immer und auf allen Beeten Salate ausgesät oder gepflanzt werden.

Dieses System möchte ich Ihnen am folgenden Beispiel erläutern. Es basiert auf 4 Hochbeeten, die 2,4 m lang und 1,2 m breit sind; die Mischkultur kann natürlich auch auf gewöhnliche Gartenbeete übertragen werden. Für kleinere oder weniger Beete muss es entsprechend angepasst werden. Selbstverständlich lassen sich auch die Pflanzen innerhalb der einzelnen Pflanzenfamilien je nach Vorlieben austauschen.

Die Samen sind aus den Angeboten von C. und R. Zollinger, www.zollinger-samen.ch,  Sativa Rheinau AG, www.sativa-rheinau.ch und Pro Specie Rara www.prospecierara.ch ausgewählt.   

Beispiel einer Mischkultur im Vierjahreswechsel (alle vier Jahre wird jedes Beet wieder gleich bepflanzt):

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Beet 1: Starkzehrer 

In Reihen abwechslungsweise 

Kreuzblütler: alle Kohlarten, Radiesli, Rettich, Kresse | Gänsefussgewächse: Spinat, Randen, Krautstiel, Schnittmangold

Für ein 2,4 m langes und 1,2 m breites Hochbeet oder Gartenbeet braucht man:  Samen von Spinat, Radiesli, Kresse, Dill, Schnittmangold, Randen. 

Zur entsprechenden Zeit 

5 Setzlinge Kohlrabi,
4 Setzlinge Blumenkohl,
2 Setzlinge Rotkabis,
3 Setzlinge Weisskabis,
2 Setzlinge Kapuzinerkresse,
2 Setzlinge Gewürztagetes

So früh wie möglich säen Sie 40 cm von den langen Hochbeetrahmen entfernt je eine Reihe Spinat (z. B. ‘Verdil’) und 20 cm vom einen Beetrand eine Reihe Kresse aus. Samen nicht bedecken, nur gut andrücken. In der Beetmitte säen Sie eine Reihe weisse, rot-weisse und rote Radieschen gemischt, die unterschiedlich schnell wachsen. Dadurch können Sie mit einer Aussaat über eine längere Zeit ernten. 20 cm vom anderen Beet-rand entfernt setzen Sie Anfang April im Abstand von 25 cm abwechselnd 5 Kohlrabi- und 4 Blumenkohlsetzlinge. Die Kohlrabi sind vor dem Blumenkohl erntereif und machen dem nährstoffbedürftigeren Blumenkohl Platz. Spinat wird bis Ende Mai laufend geerntet, dann geht er in Blüte, wird abgeschnitten und dient als Mulch. Ende Mai bis Anfang Juni sind die Radieschen geerntet  und machen in derselben Reihe 2 Rotkabis- und 3 Weisskabissetzlingen Platz, die man im Abstand von 50 cm setzt. Dazwischen pflanzt man Kapuzinerkresse und Gewürztagetes und sät Dill aus. Zur gleichen Zeit sät man auf die abgeerntete Kressereihe Randen aus. Zu dicht gesäte Pflänzchen werden später auf 10 cm Abstand ausgelichtet. Blumenkohl wird geerntet, sobald er eine schöne, weisse Blume gebildet hat. Auf diese Reihe sät man Anfang August Schnittmangold aus. Bis in den Spätherbst ist das Hochbeet mit Randen, Rot- und Weisskohl, Schnittmangold, Kapuzinerkresse und Gewürztagetes bepflanzt und über den Kohlpflanzen schaukeln im Winde die hohen Dilldolden.

Im nächsten Jahr folgt auf diesem Hochbeet oder Gartenbeet  Mischkultur Beet 2.

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Beet 2: Mittel- und Schwachzehrer

In Reihen abwechslungsweise 

Leguminosen: Bohnen, Erbsen, Kefen, Puffbohnen

Korbblütler: Kopf-, Pflück-, Schnittsalat, Endivien, Chicorée, Schwarzwurzeln

Für ein 2,4 m langes und 1,2 m breites Hochbeet oder Gartenbeetbraucht man: 

Samen von Schnittsalat, Kerbel, Nüsslisalat, Knackerbsen, Kefen, Buschbohnen, Bohnenkraut. 9 Setzlinge Kopfsalat, 5 Setzlinge Eissalat, 4 Setzlinge Lattich, 8 Setzlinge Zuckerhut und Endivien

Ab März kann man je 40 cm von den Beeträndern entfernt eine Reihe Knack-erbsen und eine Reihe Kefen 5 cm tief stupfen, alle 2 bis 3 cm ein Korn. Wählen Sie niedere Sorten, die zirka 50 cm hoch wachsen wie z. B. ‘Bernhardsberger’ für Knackerbsen und ‘Norli’ für Kefen. Saat unbedingt vor Vögeln schützen. In jungem Zustand können Knackerbsen wie Kefen zubereitet werden. Lassen Sie die Pflanzen an einem niederen Schnurgerüst hochklettern. Zwischen die beiden Reihen, also in der Mitte des Beetes, säen Sie Schnittsalat (z. B. ‘Misticanza’). Im April setzen Sie auf beiden Seiten 20 cm vom Rand entfernt Salate. Auf der einen Seite 9 Setzlinge Kopfsalat und auf der anderen 4 Setzlinge Lattich ‘Morges’ und 5 Setzlinge Eissalat ‘Saladin’ im Abstand von 25 cm. Säen Sie auf der einen Schmalseite des Hochbeetes Kerbel und auf der anderen Bohnenkraut aus. Die Salate werden zu unterschiedlicher Zeit erntereif, verlängern also die Erntezeit. Der Kopfsalat macht zuerst den Platz frei für die Folgekultur von Buschbohnen, wie etwa ‘Wunderfein’. Ende Juni/Anfang Juli stecken Sie auf der anderen Salatreihe Buschbohnen ‘Oktoberli’. Alle 5 cm ein Korn nicht zu tief legen. Sobald die Bohnen 20 cm hoch sind, häufelt man sie an. Nach der Kefen- und Knackerbsenernte schneidet man diese bodeneben ab, die Wurzeln bleiben im Boden. Je 15 cm von der Beetmitte entfernt setzt man Zuckerhut und Endivien im Abstand von 30 cm, je 8 Setzlinge. Nach den frühen Buschbohnen, die man ebenfalls nach der Ernte bodeneben abschneidet, kann bis Anfang September Nüsslisalat ausgesät werden. Im nächsten Jahr folgt auf diesem Hochbeet Mischkultur Beet 3.

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Beet 3: Starkzehrer

In Reihen abwechslungsweise

Kürbisgewächse: Kürbis, Zucchetti, Gurke, Patisson, Melone

Nachtschattengewächse: Kartoffeln, Tomaten, Peperoni, Auberginen

Gräser: Getreide, Zuckermais

Für ein 2,4 m langes und 1,2 m breites Hochbeet oder Gartenbeet braucht man: Samen von Nüsslisalat, Radicchio‚ ‘Palla Rossa’, 9 Setzlinge Kopfsalat, 14 Saatkartoffeln

Im April setzt man die Kartoffeln je 30 cm vom Beetrand entfernt. Auf der einen Seite 7 Frühkartoffeln (z. B. ‘Lady Christl’ oder ‘Acht-Wochen-Nüdeli’) und auf der anderen Seite 7 einer späteren Sorte (z. B. ‘Blaue St. Galler’ oder ‘Ditta’). Im Abstand von  30 cm legt man die vorgekeimten Saatkartoffeln mit den Trieben nach oben in 5 cm tiefe Pflanzlöcher und deckt sie mit Komposterde zu. Nach dem Auflaufen werden die Kartoffeln wiederholt angehäufelt und gemulcht. Bei drohendem Frost schützt man sie mit einem Vlies. Anfang bis Mitte Juli sät man in eine Saatschale Radicchio ‘Palla Rossa’ aus und pikiert die Jungpflänzchen. Nach der Frühkartoffelernte Anfang August setzt man alle

30 cm ‘Palla Rossa’-Setzlinge 20 cm vom Beetrand entfernt. In die Beetmitte setzt man 9 Kopfsalat- Setzlinge im Abstand von 25 cm. Zwischen diese beiden Reihen sät man Nüsslisalat aus. Im September sind nun auch die späteren Kartoffeln geerntet und man sät breitwürfig Nüsslisalat aus. Im nächsten Jahr folgt auf diesem Hochbeet Mischkultur Beet 4.

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Beet 4: Mittel-/Schwachzehrer

In Reihen abwechslungsweise

Liliengewächse: Knoblauch, Schalotten, Lauch, Zwiebeln

Doldengewächse: Fenchel, Pastinaken, Knollen-, Stangensellerie, Rüebli, Petersilie

Für ein 2,4 m langes und 1,2 m breites Hochbeet oder Gartenbeet braucht man: Samen von Phacelia, Rüebli, Petersilie mit glatten und gekrausten Blättern, Pastinaken, Wurzelpetersilie, Steckzwiebeln, Frühjahrsknoblauch, 5 Setzlinge Knollensellerie

Ab März sät man auf der einen Seite 20 cm vom Beetrand entfernt frühe Rüebli ‘China robust’ und auf der anderen Phacelia aus. Die Rüebli müssen im Laufe des Wachstums zwei Mal erdünnert werden. 40 cm vom Beetrand entfernt setzt man alle 10 cm eine Knoblauchzehe 5 cm tief. Auf der gegenüberliegenden Seite stupft man alle 5 cm Steckzwiebeln. Nur so tief setzen, dass die Spitze noch leicht aus der Erde ragt. Zu tief gesetzte Steckzwiebeln bilden einen dicken Hals und keine schönen Zwiebeln. Ende April sät man in die Beetmitte je eine halbe Reihe Pastinaken und Wurzelpetersilie aus. Besorgen Sie sich frische Samen, denn die Keimfähigkeit beider Gemüsesamen lässt rasch nach. Wappnen Sie sich mit -Geduld, die Samen brauchen etwa --

3 Wochen zum Keimen, dann wachsen sie problemlos und sind ein ausgezeichnetes Wintergemüse. Ende Mai schneidet man Phacelia bodeneben ab und setzt 5 Selleriesetzlinge. Am Anfang und Ende der Selleriereihe ist noch ein Plätzchen frei, um Petersilie auszusäen. Nach der Rüebliernte, spätestens bis zum 20. Juli, sät man Herbstfenchel; dieser bildet runde, weisse Knollen mit gesundem, starkem Laub, das Futterquelle für die Rüebliraupe ist. Jungpflanzen auf 20 cm erdünnern und fleissig hacken. Erntereifer Fenchel erträgt leichte Fröste. Im nächsten Jahr folgt auf diesem Hochbeet Mischkultur Beet 1.

Bezugsquellen der empfohlenen Sorten:

www.zollinger-samen.ch

www.sativa-rheinau.ch

www.prospecierara.ch