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Eröffnung des Modellgartens in Männedorf im Rahmen von «Offener Garten», Bild von Vera Aebi

Innovativer Bioterra-Modellgarten

Bioterra öffnet einen Denk- und Experimentierraum für die Gartenkultur im Naturgarten der Anna Zemp-Stiftung in Männedorf. Dabei geht es nicht nur um die Interaktion im und mit dem Garten als Ort, sondern auch um die Auseinandersetzung mit seiner Bedeutung.

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Verbindend, vielfältig, ernährend, lebendig, bunt – das sind nur ein paar wenige der Begriffe, welche Menschen aus der Bioterra-Community nannten bei der Frage nach ihrer Vision eines Gartens der Zukunft. Dabei geht es nicht nur um die Interaktion im und mit dem Garten als Ort, sondern auch um die Auseinandersetzung mit seiner Bedeutung.

Der kleine Nutzgartenteil im Naturgarten der Anna Zemp-Stiftung in Männedorf – wo der Blick über den Zürichsee bis hinein in den Wald schweifen kann – scheint ein geeigneter Ort, dieser Frage weiter nachzugehen. Hier, in ruhiger grüner Umgebung, bewirtschaftet Bioterra seit diesem Jahr einen Prototyp für kleinräumiges, experimentelles und ressourcenschonendes Gärtnern. Der Garten lädt ein, ihn als dynamisches Zusammenspiel zu erleben. Denn ein Garten als Raum entsteht immer in verschiedenen Dimensionen – zwischen materieller Gestaltung, alltäglicher Nutzung und gesellschaftlichen Bedeutungszuschreibungen.

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Konzept

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Inspiration fand der Modellgarten in historischen Klostergärten, die von jeher als Orte des Lernens, der Ruhe und der Selbstversorgung wirken. Ebenfalls Eingang fanden Überlegungen aus der Permakultur bezüglich Zonierung, gezielter Nutzung von Wasserressourcen, langfristiger Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, Förderung der Artenvielfalt und in Bezug auf das soziale Miteinander. Die Einteilung in verschiedene Nutz- und Lebensräume spiegelt die Idee der Kleinteiligkeit wider. Jede Fläche erfüllt dabei eine bestimmte Funktion. Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Zonen zeigt, wie sich produktive Nutzung und Biodiversität auf engem Raum ergänzen können.

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Modellgarten aus der Luft, Bild von Benedikt Dittli
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Der Modellgarten in Entstehung

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Aufbau des Gartens

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(Von links nach rechts)

Reptilienburg: Bestehend aus einem Steinhaufen mit eingearbeiteten Totholzelementen, bietet sie Unterschlupf und Wärmeinseln für Eidechsen, Blindschleichen und zahlreiche Insektenarten.

Beerenhügel- und Beerenhecke: Mit einer Mischung aus Beerensträuchern und einzelnen Blühstauden bepflanzt, eingefasst mit runden Steinen als Mikrohabitate und zur Wärmespeicherung, ist dieser Bereich eine ökologische Übergangszone.

Stauden- und Wildkräuterhecke: Trockenheitsverträgliche Blühstauden prägen das Bild der Stauden- und Wildkräuterhecke. Sie sorgen vom Frühling bis in den späten Herbst für durchgehende Blüte. Ergänzt wurde die Bepflanzung mit Raupenfutterpflanzen sowie Kräutern und locker gesetzten Beerensträuchern, die entlang des Weges als natürliche Barriere dienen.

Intensiv genutzte und jährlich neu bepflanzte Kulturfläche: Sie bildet das klar strukturierte Zentrum des Modellgartens. Die Beete werden nun zu einem lebendigen Lehr- und Experimentierraum für zukunftsfähige Gemüseproduktion im Privatgarten, bei welcher der Boden langfristig gesund und ertragsfähig bleibt. Für die Bepflanzung wurde ein Konzept entworfen, das im Modellgarten erprobt und laufend nach den Erfahrungen angepasst wird (siehe Infobox unten).

Dauerkulturflächen: Dieser ruhige, dauerhaft angelegte Nutzbereich des Konzeptgartens fügt sich harmonisch als Übergangszone ins Gesamtkonzept ein. Hier wachsen mehrjährige und selbst versamende Kulturpflanzen. Sie liefern zuverlässig Ertrag und benötigen wenig Pflegeaufwand. Ergänzt wird die Fläche durch Säulenobst, welches wenig Platz braucht und sich gut in die klare Formensprache eingliedert, sowie zwei Tontöpfe mit Minze und Himbeeren.

Wasserbiotop: Ein ökologisch wertvoller Altbestand mit dichtem, eingewachsenem Bewuchs. Als zentrales Element des Konzeptgartens bietet es Lebensraum für Insekten, Amphibien und Reptilien und wirkt gleichzeitig als attraktives gestalterisches Highlight. Pflanzenrückschnitt, entnommene Algen und der sich bildende Biofilm sind reich an Nährstoffen und können nach Kompostierung bzw. Einarbeitung in die Beete als organische Düngung genutzt werden.

Der Regenwasserspeicher im Konzeptgarten ist in zwei funktionale Kreisläufe unterteilt, die unterschiedliche Dachflächen auffangen und das Wasser gezielt nutzbar machen. Für die Bewässerung werden nebst klassischen Möglichkeiten bewusst auch Ollas, traditionelle Terracotta-Bewässerungsgefässe, eingesetzt. Sie dienen dazu, alternative und wasser- und zeitsparende Methoden der Bewässerung anschaulich zu demonstrieren.

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Konzept einjährige Kulturfläche

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Das Konzept orientiert sich im Grundsatz an den Überlegungen aus der Regenerativen Landwirtschaft und an den Erfahrungen langjähriger Gärtner*innen.

Beet 1: Starkzehrer mit vielfältiger Untersaat

Das Beet wird Mitte Mai auf der einen Hälfte mit Setzlingen von Kürbisgewächsen nach Wahl (Kürbis, Zucchetti, Gurken), optional ergänzt mit Auberginen und/oder Peperoni, auf der anderen Hälfte mit Kohlgewächsen nach Wahl, (Wirz, Kabis, Palmkohl, Federkohl, Rosenkohl, Blumenkohl), optional ergänzt mit Freilandtomaten, bepflanzt. Zeitgleich mit den Setzlingen wird eine Untersaatmischung mit hohem Gräseranteil, Leguminosen, Kreuzblütlern und Klee eingesät, welche die Nähstoffspeicherung unterstützt (z.B. Mischung «Green Carbon Fix» von Sativa). In diesem Beet werden Ollas (eingegrabene Tontöpfe zur Bewässerung) integriert, da der Wasserbedarf hier am höchsten ist. Im 5ten Jahr, wenn die Starkzehrer wieder im Beet 1 sind, wird die Bepflanzung der Beethälften getauscht. Die Untersaat wird im Spätherbst geschnitten, fein gehäckselt und auf dem Beet liegen gelassen. 

Beet 2: Mittelzehrer in geeigneter Mischkultur, gemulcht

Das Beet wird auf beiden Hälften sehr vielfältig gemischt mit Mittelzehrern bepflanzt, die sich bezüglich Platz- und Lichtbedarf gut ergänzen und so, dass es über einen möglichst langen Zeitraum etwas zu ernten gibt. Zum Beispiel Früh: Puffbohnen, Knackerbsen, Kefen, Radiesli, Rüebli zu Zwiebeln, Pastinaken, Spinat (grossflächig auch zur Bodenbedeckung). Mitte: Stangensellerie, Fenchel, Randen zu Busch- oder Stangenbohnen (zeitlich gutes Zusammenspiel, da Randen geerntet werden, bevor die Bohnen alles Licht nehmen). Spät: Winterlauch, Winterspinat, späte Rüebli (sie können zusammen mit den Pastinaken über den Winter im Boden bleiben, sofern kein starker Frost.) Die Pflanzen werden mit Schafwolle gemulcht, die Feuchtigkeit hält und gleichzeitig Dünger ist. 

Beet 3: Schwachzehrer mit vereinzelten Kartoffeln

Die Kartoffeln werden so vereinzelt gepflanzt, dass sie auch bei voller Grösse der Pflanze nur einen Teil des Beetes bedecken. Dazwischen werden Ringelblumen gesät sowie Sommersalate und einjährige Kräuter wie Dill oder Petersilie gepflanzt. Optimalerweise werden bei den Kartoffeln frühe Sorten gewählt, so dass nach ihrer Ernte rechtzeitig Wintersalate gesät werden können. Option: Anstatt Kartoffeln Süsskartoffeln nehmen bzw. jedes zweite Jahr wechseln. Wo Boden brach liegt, kann im Herbst Winterroggen ausgesät werden.

Beet 4: Gründüngung

Auf diesem Beet können verschiedene Gründüngungen ausprobiert werden. Optimalerweise sind es Mischungen, die eine grosse Vielfalt an Pflanzenfamilien enthalten. Die Gründüngung bleibt über den Winter stehen, bis die Temperatur im Frühling wieder steigt, dann geschnitten, fein gehäckselt und auf dem Beet liegen gelassen, bis es wieder bepflanzt wird.

Jedes Jahr rotieren die Beete um eine Position im Gegenuhrzeigersinn, das heisst, die Starkzehrer kommen zum Beispiel auf das Beet, auf dem vorher Gründüngung war.
 

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Überblick Gartenbeete Modellgarten Bioterra, Piktogramme von Flaticon
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Modellgarten Anna Zemp
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In Planung, Umsetzung und Dokumentation begleiteten Dominik Scheibler (Geschäfts- führer), Stefan Keller (Projektleiter Natur- und Artenschutz) und Florian Witzmann (Fachmitarbeiter Garten- und Landschafts- pflege) von crea Natura das Projekt.

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Umsetzung

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Der Prototypgarten in Männedorf wurde vom Bioterra-Fachbetrieb crea Natura aus Wetzikon umgesetzt und ist ein Kooperationsprojekt von Bioterra und der Anna-Zemp-Stiftung. Das Ziel war es, den Ort in eine kleine, aber lebendige Einheit aus Nutz- und Naturgarten zu verwandeln – möglichst autark, biodivers, pflegeleicht und doch dem Anspruch nach Versorgung mit selbst angebauten Lebensmitteln genügend. Ein Garten, der Kreisläufe sichtbar macht, ökologische Zusammenhänge vermittelt und Besucherinnen und Besucher dazu anregt, eigene Gartenflächen mit einem ähnlichen Bewusstsein zu gestalten.

Gespeichert von Biogärtnerei H… (nicht überprüft) am Di., 03.02.2026 - 15:34

Hoffe , dass die verwndeten Pflanzen alle aus Bio-Gärtnereien stammen. (Ich sehe auf dem Photo keine Bio-Töpfe)

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