Nesselblättrige Glockenblume, Bild von Erika Gussmann

Wildstaude 2024 – Nesselblättrige Glockenblume

Lilablaue Blütenstände, zart bewimperte Glocken, essbare Blätter, Liebling der Hummel und dazu noch robust und blühfreudig wie kaum eine andere – Bioterra kürt die Nesselblättrige Glockenblume zur Wildstaude des Jahres 2024. Damit setzen wir ein Zeichen für unser Engagement zur Förderung von mehr Biodiversität.

Text: Adrian Möhl
Bild: Erika Gussmann

Glockenblumen brauchen keine PR-Abteilung. Blaublumige gehören ohnehin zu den Favoriten von vielen Gartenbegeisterten. Aus vielen Balkonkistchen der Nation leuchtet oft entweder die aus den dinarischen Alpen stammende Hängepolster-Glockenblume Campanula poscharskyana, oder es ziert die Kaukasus-Glockenblume Campanula raddeana die Steingärten. Dabei hätte die einheimische Glockenblumenvielfalt mindestens eben so prächtige Glocken zu bieten. Darum braucht die Nesselblättrige eine kleine Werbekampagne, damit sie vermehrt Einzug in unsere Gärten findet – etwas, das sie wahrlich verdient hat.

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Kein Kuschelblümchen

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Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind Sie ihr schon einmal auf einem Waldspaziergang begegnet. Die in der Schweiz weitverbreitete Nesselblättrige Glockenblume kann vom Tiefland bis in die subalpine Stufe an schattigen und halbschattigen Standorten angetroffen werden. Mit ihren grob gezähnten Blättern und den grossen, in einer allseitswendigen Traube angeordneten Blütenständen ist sie kaum mit einer anderen Art zu verwechseln. Auffällig an der Staude des Jahres ist ihr kantiger und rau behaarter Stängel, der auch für ihren wissenschaftlichen Namen verantwortlich ist, bedeutet doch trachelium eben genau rau. Als Kuschelblümchen kann man die Art wirklich nicht bezeichnen, und manch einer, der ihr vor der Blüte begegnet, mag sie sogar mit einer Brennnessel verwechseln, wobei man vergeblich nach Brennhaaren sucht. Genau wie bei der Brennnessel sind die jungen Blätter dieser Glockenblumenart geniessbar – man muss sie nicht einmal kochen, sondern kann sie roh für Wildkräutersalate verwenden. Wobei sie eigentlich zu schade ist zum Essen. Das merkt, wer sie wachsen lässt und sich ab dem Frühsommer an ihren himmelblauen Blüten erfreuen

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Muskelprotze, Herbsteulen und Mesophile

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Kaum sonnige Stellen und dazu schweren Lehmboden im Garten? Dann ist die Nesselblättrige Glockenblume genau das Richtige für Ihren Garten! Denn sie ist unkompliziert und kann sich mit unterschiedlichen Bedingungen arrangieren. Auch in der Natur findet man sie an verschiedenartigen Standorten. Lebensraumkundler ordnen sie als Kennart von «mesophilen Krautsäumen» ein – was etwa so viel bedeutet, dass sie eine typische, wenn auch wenig zuverlässige Zeigerart von Waldrändern und Lichtungen ist, die weder besonders trocken noch besonders feucht, weder ausgesprochen nährstoffreich noch sehr mager sind. Eine, die es eben mittelmässig mag und sich mit den meisten Situationen einrichten kann.

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kurz und bündig: Unkomplizierte Staude mit blauen bis lilafarbenen, glockenförmigen Blüten, wird maximal 1 m hoch. Neben ihren dekorativen Blättern überzeugt sie mit einer langen Blütezeit und ihrer Anspruchslosigkeit. Am wohlsten ist ihr im Halbschatten, auf eher feuchten, tiefgründigen Lehmböden. Erhältlich in allen gut sortierten Wildpflanzengärtnereien.

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Als Bestäuber kommen allen voran Hummeln und Bienen infrage. Wer an den Nektar der Nesselblättrigen gelangen will, braucht kräftige Vorderbeine und einen langen Rüssel. Bei dieser Glockenblumenart ist er nämlich unter der verbreiterten Basis der Staubblätter versteckt. Die Raupen von einigen Falterarten mögen übrigens die Blätter unserer Staude des Jahres ganz besonders. So frisst die Raupe des Nessel-Glockenblumen-Blütenspanners Eupithecia denotata ausschliesslich auf dieser Art, und bei den Larven der Veränderlichen Herbsteule Agrochola lychnidis stehen die grob gezähnten Blätter ebenfalls ganz oben auf dem Menüplan.

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Wildstaude des Jahres

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Einheimische Wildstauden sind winterhart und treiben im Frühling wieder aus – im Gegensatz zu einjährigen Zierpflanzen, die jedes Jahr wieder neu gekauft werden müssen. Einheimische Wildstauden sind nachhaltig, robust, pflegeleicht und vor allem auch die natürlichen Futterpflanzen für unsere Insekten – eine Bereicherung also für den Bio- und Naturgarten. Darum hat die Organisation Bioterra anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens 2022 beschlossen, jedes Jahr eine einheimische Wildstaude zu küren, um auf diese langlebigen Blütenpflanzen und ihre Bedeutung für die Biodiversität aufmerksam zu machen.

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