Zeitschrift Titelbild Januar/Februar 2021

Wildpflanzen für Töpfe und Kisten

Es muss nicht immer eine Dachterrasse sein. Auch ein kleiner Stadtbalkon lässt sich in ein blühendes, naturnahes Gärtchen verwandeln, das gerne von Insekten besucht wird. Gartenfachmann Markus Neubauer verrät, welche einheimschen Wildpflanzen und Töpfe für welche Lagen am besten geeignet sind.

(Dieser Artikel wurde in der Mai/Juni-Ausgabe 2014 der Zeitschrift «Bioterra» veröffentlicht.)

Sie sehnen sich nach natürlicher Vielfalt und wünschen sich Pflanzen, die von Hummeln oder Schmetterlingen besucht werden? Sie würden gerne etwas ernten, frische Kräuter, Pflücksalat oder ein paar scharfe Chilischoten? Sie verfügen aber nur über ein paar Töpfe oder Kistchen auf dem Fenstersims? Das kann funktionieren, sogar recht gut. Bedingung ist allerdings, dass Sie einige der landläufigen Vorstellungen von Balkongrün und Blumenschmuck über Bord respektive das Balkongeländer werfen.

Geranien und Petunien mögen mit ihrer Blütenfülle eine Augenweide sein; ihre Farbintensität ist in punkto Fernwirkung unübertroffen. Die über den ganzen Sommer anhaltende Blütenpracht hat aber ihren ökologischen Preis. Pflanzen blühen ja grundsätzlich, um Samen bilden zu können. Die durch Züchtung erreichte Sterilität der Blüten verhindert dies und bewirkt damit den nicht endenden Blütenflor. Sterile, gefüllte Blüten haben deshalb Insekten nichts zu bieten. Doch auch Wildpflanzen verfügen über eine unglaubliche Fernwirkung. Diese ist aber nicht auf unser Auge, sondern auf die von Bienen, Hummeln oder Schmetterlingen ausgerichtet. Es ist erstaunlich, wie schnell selbst in scheinbar unwirtlichen Häuserschluchten, Wildpflanzen von nektarsuchenden Insekten gefunden und besucht werden. Die Samenbildung führt natürlicherweise aber dazu, dass die Pflanzen in der Blüte nachlassen oder diese ganz einstellen. Diese Einschränkung muss in Kauf genommen werden. Bei etlichen Arten wie Storchenschnabel Geranium, Alpen-Lein Linum perenne, oder Glockenblumen Campanula kann jedoch mit einem Rückschnitt eine zweite Blütezeit ausgelöst werden.

Wer Wildpflanzen auf dem Balkon wachsen lassen will, wird mit einer gängigen Beet- und Balkonerde nicht glücklich. Der hohe Nährstoff- und der damit verbundene Salzgehalt bekommen den meisten einheimischen Wildpflanzen nicht gut. Ich empfehle eine lockere, torffreie Erde, die mit Sand oder gemahlenem Bims abgemagert wurde. Nicht bewährt hat sich für Töpfe und Kistchen reine Gartenerde. Sie ist zu schwer und verfügt über zu wenig Wasserhaltevermögen.

Bei der Pflanzenwahl darf experimentiert werden. Etliche Arten die im Garten gross und mächtig werden, verhalten sich in den engen Grenzen der Pflanzengefässe erstaunlich gesittet und pflegeleicht. Auch Kombinationen von Wildstauden, klassischen Zierpflanzen und Gewürzen können sich vertragen und gut nebeneinander gedeihen. Dankbare Zierpflanzen für Kombinationen sind zum Beispiel Prachtkerzen Gaura oder die kleinwüchsigen Löwenmäulchen.

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Die Wahl der Gefässe

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Eine besondere Herausforderung stellt die Auswahl der Gefässe dar. Sie sollen schön und elegant sein, zum Stil der Möbel passen, bruchsicher, womöglich frosthart und natürlich wurzelverträglich sein.

Tongefässe sind sehr pflanzenfreundlich und atmungsaktiv. Sie gleichen Temperatur und Feuchtigkeit aus und haben ein hohes Eigengewicht. Ein Nachteil ist die Frostempfindlichkeit. «Impruneta»-Töpfe aus Italien gelten als frostsicher. Sie sind es aber nur, wenn drei vorbeugende Massnahmen getroffen werden.

Auf das Abzugsloch sollten Scherben, Steine oder ein Schicht Blähton gelegt werden, damit der Abzug im Topf gewährt ist. Damit das Wasser sich über den Winter nicht staut, müssen zudem die Unterteller entfernt und die Töpfe auf kleine Untersetzer gestellt werden Stehen die Töpfe unter freiem Himmel, ist das Einpacken der Töpfe mit Jutestoff oder Noppenfolie eine gute Vorsichtsmassnahme.

Ebenfalls sehr beliebt sind Metallgefässe. Sie zerbrechen nicht und haben in der Regel eine ausgezeichnete Standfestigkeit. Ein Nachteil ist ihre hohe Wärmeleitfähigkeit. Stehen sie an der direkten Sonne, können sie so heiss werden, dass die Wurzeln verbrennen. Im Winter kühlt das Eisen den Topf aus und die Wurzel drohen zu erfrieren. Ich rate deshalb bei Metallgefässen zu einer Innenisolation mit einer Styrofoamplatte.

Weder Verbrennungsgefahr noch ein Frostrisiko haben Gefässe aus Holz. Sie passen vielleicht nicht zu jedem Architekturstil. Dafür haben sie die mit Abstand besten Eigenschaften für ein gesundes Pflanzenwachstum.

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