Schwebfliegen sind zwar unscheinbar, für die Bestäubung im Garten aber sehr wichtig. Wir zeigen auf, was es über diese Insekten zu wissen gibt.
Text: Barbara Uehlinger
Wenn es im Hochsommer summt und brummt im Garten, sind Schwebfliegen besonders häufig anzutreffen. Charakteristisch für diese Insekten ist ihr Schwirrflug, an dem man sie leicht erkennen kann. Schwebfliegen gehören zur Familie der Zweiflügler und sind mit der gewöhnlichen Stubenfliege verwandt. Etwa 6000 Arten sind weltweit beschrieben, über 400 davon kommen in der Schweiz vor. Zum Vergleich: Weltweit gibt es fünfmal mehr Wildbienen-Arten – also 30 000 –, ungefähr 600 von ihnen leben in der Schweiz. Die einen Schwebfliegen sind sehr schlank, andere pummelig, wieder andere haben einen pelzig behaarten Leib. Über die Lebensweise dieser Insektenfamilie ist eher wenig bekannt.
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Schwebfliegen
Experten, die sich mit diesen Insekten auskennen, sind rar. Dabei spielen Schwebfliegen bei der Bestäubung vieler Pflanzen eine grosse Rolle. Nachfolgend einige Fakten über die Lebensweise der 1 bis 1,5 cm grossen Insekten.
Lebensweise
Allein in der Schweiz sind 400 verschiedene Schwebfliegen-Arten bekannt. Die adulten Insekten ernähren sich ausschliesslich von Pollen und Nektar. Der Menüplan der Larven hingegen ist vielfältiger: So vertilgen diejenigen der einheimischen Hainschwebfliege Episyrphus balteatus massenhaft Blattläuse und sind willkommene Nützlinge im Garten. Die Larven der eher seltenen Bienenschwebfliege Brachypalpus laphriformis leben in Totholz und helfen bei der Zersetzung von organischem Material. Feucht mögen es die Larven der Larven der Mistbienen Eristalis tenax, die sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial und Bakterien ernähren: Ihr Zuhause sind schlammige Pfützen und Jauchegruben.
Es gibt auch räuberische Arten, die andere Insekten vertilgen, und solche, deren Larven sich durch Blätter, Pflanzenstängel und Wurzelknollen bohren. Wieder andere bewohnen Nester von Hummeln oder Wespen und ernähren sich von deren Abfallprodukten. Wie die Larven leben die erwachsenen Tiere an verschiedenen Orten. Ausserhalb des Gartens findet man sie an Waldrändern, auf Äckern, Wiesen oder entlang von Gewässern. Vom Tiefland bis ins Hochgebirge sind sie fast überall anzutreffen.
Tarnung
Schwebfliegen tun nur so, als könnten sie stechen: Sie haben sich dafür ein raffiniertes Warnsignal zugelegt, das potenziellen Feinden vortäuscht, gefährlich zu sein. Viele Arten sind schwarz-gelb gestreift und sehen einer Wespe oder Biene zum Verwechseln ähnlich. Die Hummel-Gebirgsschwebfliege ist pelzig behaart und sieht einer Gartenhummel zum Verwechseln ähnlich. Mimikry nennt sich diese Fähigkeit in der Natur. Damit schützen sich die Tiere vor Fressfeinden. Bei manchen mit Erfolg, aber nicht alle lassen sich so abschrecken. Insbesondere Spinnen durchschauen diese Ablenkungstricks. Es gibt daneben auch Schwebfliegenarten, die in schlichtem Braun daherkommen. Eindeutig identifizieren lassen sich alle Schwebfliegen dadurch, dass sie nur ein Flügelpaar besitzen, im Gegensatz zu Wespen und Bienen, die über zwei Flügelpaare verfügen. Schwebfliegen sind übrigens harmlos, sowohl für Mensch wie Tier.
Blütenpräferenzen
Mit ihrem kurzen Rüssel sind Schwebfliegen auf offene Blüten angewiesen, damit sie Nektar und Pollen gut erreichen können. Doldenblüten werden deshalb besonders gerne von diesen Insekten besucht, hier können sie gut landen und aus den kleinen Einzelblüten Nektar saugen. Sie schätzen zudem auch die Blüten von Skabiosen, Thymian oder Oregano. Dabei scheint ihnen die Blütenfarbe nicht so wichtig zu sein, wobei sie eine gewisse Vorliebe für gelbe und weisse Blüten zeigen.
Wanderungen
Einige Arten, zum Beispiel die Hainschwebfliege, zeigen ein erstaunliches Verhalten: Sie ziehen, ähnlich wie die Zugvögel, im Herbst in grossen Schwärmen Richtung Süden, wo sie im milden Klima überwintern. Dabei nutzen sie günstige Winde, um vorwärtszukommen. Im Frühling kehren sie in entgegengesetzter Richtung zurück in den Norden. Dabei überqueren sie sogar Alpenpässe. Aber nicht alle kommen ans Ziel: Für Zugvögel sind die in Scharen vorkommenden Schwebfliegen ein gefundenes Fressen – da nützt ihnen die Tarnung nichts mehr.
Lebensräume
Mittlerweile sind zwei Drittel der Schwebfliegenarten europaweit vom Aussterben bedroht. Die intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und der damit einhergehende Verlust von Lebensräumen stellen die grössten Bedrohungen dar. Gärtnernde können selbst einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Insekten zu fördern: Mit der Schaffung von Kleinstrukturen im Garten oder auf dem Balkon, in denen die Insekten Unterschlupf finden, mit einer naturnahen Bepflanzung und einem Blütenangebot, das vom Frühling bis in den Herbst hineinreicht.
Bestäuber
Schwebfliegen sammeln zwar keine Pollen für ihren Nachwuchs und sind insgesamt etwas weniger effizient als Bienen. Dennoch spielen sie eine sehr wichtige Rolle bei der Bestäubung von Wildpflanzen aus den unterschiedlichsten Pflanzenfamilien. Es lohnt sich, im Gemüsegarten auch mal Dill, Fenchel oder Broccoli blühen zu lassen, um so das Nahrungsangebot zu erweitern.
Flugkünstler
Mit ihrer hohen Flügelschlagfrequenz (bis zu 300-mal pro Sekunde!) können Schwebfliegen, ähnlich wie Kolibris, für mehrere Sekunden an Ort und Stelle «schweben». Sie manövrieren präzise, sowohl vorwärts als auch rückwärts. Durch dieses Flugverhalten können sie problemlos selbst durch schmale Öffnungen fliegen. Bei drohender Gefahr verschwinden die Fliegen scheinbar blitzartig, um Sekunden später wieder auf ihrer Lieblingsblüte Platz zu nehmen.
Weiterführende Informationen finden sich hier.



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