Himmelsleiter, Bild von Petra Göschel auf Pixabay

Prächtiges Blütencomeback

Nach einem ersten, üppigen Flor können bestimmte Blütenstauden mit einem Remontierschnitt zur Nachblüte angeregt werden. Gewusst wie, haben Himmelsleiter, Margeriten, Flockenblumen und Co. einen blumigen zweiten Auftritt.

Text: Silvia Meister
Bild Himmelsleiter von Petra Göschel auf Pixabay

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Im französischen Wort «remonter» steckt die Bedeutung von «wieder hinaufgehen». Der pflegende Remontierschnitt lässt bestimmte Blütenstauden wieder neu austreiben, und einige bringen es sogar zu einem zweiten Blütenflor. Diejenigen Blütenstauden, die im Frühling eilends in die Höhe streben und bald Blütenknospen anlegen, sind die besten Kandidaten für den Remontierschnitt im Juni. Denn sie haben genug Zeit, um sich noch einmal aufzubauen und zu blühen.

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Beim radikalen Remontierschnitt wird die ganze Pflanze – kaum verblüht – handbreit über dem Boden zurückgeschnitten. Eine Gartenschere leistet bei einzelnen Stauden oder in kleineren Mischpflanzungen gute Dienste, bei grösseren Flächen lohnt sich der Einsatz einer Heckenschere. Dieser Rückschnitt schadet einer gut eingewachsenen und gesunden Staude nicht, sie treibt schnell wieder durch. Bei frisch gepflanzten oder schwächelnden Stauden werden nur die abgeblühten Blütenstängel ausgebrochen, die Blätter nicht gestutzt, und die radikale Schnittkur wird erst im folgenden Jahr durchgeführt. Am schnellsten erholen sich zurückgeschnittene Stauden, wenn der Remontierschnitt nach einer Regenperiode erfolgt. Der feuchte Boden ermöglicht den Wurzeln, reichlich Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, die für den Wiederaufbau nötig sind. Ist jedoch kein Regen in Sicht und das Wetter trocken und warm, so verzögert sich der zweite Flor – es sei denn, man giesst durchdringend. Nach vier bis acht Wochen folgt der etwas weniger üppige, zweite Blütenflor.

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Viele Remontierstauden stammen ursprünglich aus Wiesen und Weiden, der pflegende Eingriff ist mit dem Schnitt einer Blumenwiese oder mit dem Abgrasen einer Weide zu vergleichen. Einige einheimische Wiesenblumen-Arten sind typische Remontierstauden und haben nach dem Schnitt ihren zweiten Auftritt: Gewöhnliche Wiesen-Schafgarbe Achillea millefolium, Skabiosen-Flockenblume Centaurea scabiosa, Wiesen-Flockenblume Centaurea jacea, Knäuel-Glockenblume Campanula glomerata, Himmelsleiter Polemonium caeruleum, Berg-Flockenblume Centaurea montana, Orangerotes Habichtskraut Hieracium aurantiacum, Tauben-Skabiose Scabiosa columbaria und andere mehr. Das Blütenmeer auf Wiesen und Weiden erscheint in den Monaten Mai, Juni oder Juli, je nach Höhenlage und Standortbedingungen. Der zweite Blütenflor ist stets geringer; viele begnügen sich mit dem Austrieb von Blättern, welche Kräfte für die Überwinterung sammeln.

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Bei den meisten Blütenstauden ist ein Blütenflor pro Wachstumssaison genetisch festgelegt. Werden ihre Blütenstände weggeschnitten, so ist die Blühsaison vorbei und somit auch die Möglichkeit, sich mittels Samen zu vermehren. Sie gedulden sich bis zum nächsten Jahr. Denn beim Blühen und bei der Bildung von Samen laufen unterschiedliche Prozesse ab: Das Zusammenspiel spezieller Pflanzenhormone bewirkt das Blühen. Sobald die Blüten bestäubt sind, übernehmen andere Signalstoffe das Regime und leiten das Reifen der Samen ein. Wird dieser Ablauf unterbrochen, sind nur wenige Stauden fähig, den Prozess von vorne zu beginnen. Zuchtformen besitzen oft ein grosses Mass an Pflanzenhormonen, die das Wiederblühen fördern. Bei ihnen spielt die Ausbildung von Samen eine untergeordnete Rolle, da sie in der Pflanzenproduktion vegetativ vermehrt werden. Für diese remontierenden Prachtstauden ist die Bildung neuer, zumeist grosser Blütenstände nach dem Rückschnitt eine Leistung, die rasch verfügbare Energie beansprucht. Deshalb brauchen diese nährstoffliebenden Prachtstauden, im Gegensatz zu den einheimischen Stauden, eine sofort wirkende Aufbaunahrung in Form organischer Flüssigdünger oder Brennnesseljauchen. Bei trockener Erde wird zuerst ausreichend gewässert und dann der Flüssigdünger ausgebracht. Dies ist für die Sorten von Rittersporn Delphinium-Hybriden, Grossblütige Margeriten, Feinstrahl Erigeron speciosus und Lupinen Lupinus polyphyllus nötig. Dazu kommen einige ausgelesene Sorten anderer Blütenstauden: Sterndolden Astrantia major ‘Ruby Wedding’ und ‘Roma’, Wilder Bertram Achillea ptarmica ‘Perle’, Flockenblume Centaurea dealbata ‘Steenbergii’ und Schafgarben Achillea millefolium-Hybriden ‘Terracotta’, ‘Walter Funcke’ und ‘Moonshine’.

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Ganz anders funktionieren viele kurzlebige Blütenstauden, die trockene Standorte bewohnen. Bei ihnen hat sich die Strategie bewährt, innert kürzester Zeit zu blühen und fortlaufend Samen zu bilden. Ihr Ziel, sich in ihrem kurzen Leben ausreichend auszusäen, ist genetisch verankert – doch mit dem Rückschnitt wird diesen Pflanzen eine Pause aufgezwungen, sie sparen Kräfte und leben länger. Deshalb lohnt sich bei diesen Blütenstauden der starke Remontierschnitt, um ihr Leben zu verlängern und alsbald eine zweite Blüte zu erhalten. Möchte man jedoch diese kurzlebigen Stauden vermehrt im Garten umherschweifen lassen, so werden die Blütenstände nicht zurückgeschnitten, und die Aussaat wird ermöglicht. Typische Vertreter sind Pfirsichblättrige Glockenblume Campanula persicifolia, Rinderauge Buphthalmum salicifolium, Witwenblume Knautia macedonica, Gelbe Skabiose Scabiosa ochroleuca, Brennende Liebe Lychnis chalcedonica, und die Moschus-Malve Malva moschata. Auch die verschiedenen Arten von Katzenminzen Nepeta und Bergminzen Calamintha sind kurzlebig – doch bei ihnen lohnt sich ein radikaler Remontierschnitt alleweil: sie treiben nochmals aus, blühen bis weit in den Herbst hinein und überwintern gestärkt.

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Dieser Artikel stammt aus der Mai/Juni-Ausgabe 2020 des Magazins «Bioterra», die eingeloggten Bioterra-Mitgliedern bzw. Abonnent*innen auch als eMagazin kostenlos zur Verfügung steht. 

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