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Fertige Körbe, Bild von Nadja Hillgruber

Kurseinblick: Vom Gras zum Korb

Unter dem Jahresmotto «Zero-Waste gärtnern» lädt Bioterra 2026 dazu ein, den Garten nicht nur als Ort des Wachsens, sondern auch als Raum des Weitergebens und Wiederverwendens zu verstehen. Verschiedene Kurse der Regionalgruppen nehmen dieses Thema auf. Zum Beispiel bot die Regionalgruppe Thurgau-Bodensee im Juni einen Tageskurs an, bei dem aus Gräsern und getrockneten Kräutern Körbe entstanden. Kursleiterin Nadja Hillgruber gibt einen Einblick zum Sommertag, der nach Kindheit und Heu duftete.

Von Nadja Hillgruber

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Der Juni zeigte sich zunächst von seiner vertrauten Seite: mit hellen Sonnentagen, gefolgt von einer jener kühleren Phasen, die im Volksmund liebevoll Schafskälte genannt werden. Eine alte Bauernregel weiss dazu: «Ist der Juni warm und nass, gibt’s viel Korn und noch mehr Gras.» Gegen letzteres hätte an diesem Wochenende im Juni wohl niemand Einwände gehabt – ganz im Gegenteil.

Denn aus Gras sollte etwas entstehen.

Ein Garten, in dem nichts verloren geht – das bedeutet mehr als sparsamer Umgang mit Ressourcen. Es bedeutet auch, Erinnerungen zu bewahren, Ideen keimen zu lassen und altes Wissen mit neuen Erfahrungen zu verweben. Mitte Juni traf sich dazu eine Gruppe naturverbundener Frauen im Pfadiheim Weinfelden zum Kurs «Vom Gras zum Korb». Nach Tagen voller Regen schenkte das Wetter ausgerechnet an diesem Morgen den ersten wirklich warmen Sommertag – als hätte auch der Himmel beschlossen, den Kurs zu begleiten.

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Beim Korbflechten, Bild von Nadja Hillgruber

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Für Kursleiterin Nadja Hillgruber steht dabei nicht allein das Handwerk im Zentrum. Ihr naturpädagogischer Ansatz verfolgt einen anderen Gedanken: Nicht nur etwas Schönes mit den Händen schaffen, sondern im achtsamen Tun auch innerlich in Bewegung kommen. Entschleunigung zulassen. Spüren, wie aus einem einfachen Material und konzentrierten Handgriffen etwas entsteht, das weit über das fertige Werk hinausreicht. Und so begann der Tag nicht mit Flechten oder Wickeln, sondern mit einem kleinen Weg an die Thur. Dort, zwischen Wasserrauschen und Sommerlicht, entstand ein Kreis aus Erinnerungen. Die Frauen erzählten sich, welche Bilder Gras in ihnen weckt: barfuss durch warme Wiesen laufen, den unverwechselbaren Duft frisch geschnittenen Heus einatmen, beim Heuen helfen oder Heufiguren bauen. Auch das alte Spiel «Henne oder Hahn» wurde genannt – und plötzlich war ein Stück Kindheit wieder ganz nah.

Am Wiesenrand folgte ein kleiner Exkurs in die Welt der Gräser: Welche eignen sich besonders gut zum Flechten? Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Ernten? Wie fühlt sich ein Halm an, wenn er genau die richtige Reife hat? Die ersten Grasrunden wurden gewickelt. Hände fanden ihren Rhythmus. Gespräche wurden leiser. Bald arbeitete jede vertieft und fast meditativ an ihrem Korb – konzentriert und gleichzeitig gelöst.

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Fertige Körbe, Bild von Nadja Hillgruber

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Mit derselben Hingabe, mit der die Körbe entstanden, hatten die Teilnehmerinnen auch ihr Mittagessen vorbereitet. Jede brachte einen selbstgemachten vegetarischen Beitrag mit – ganz ohne Absprache. Und doch entstand daraus ein buntes Buffet voller Vielfalt, Düfte und Überraschungen. Ein gemeinsames Schlemmeressen, das zeigte: Auch Gemeinschaft funktioniert manchmal wie ein Korb aus Gras – viele einzelne Fäden ergeben zusammen etwas Tragendes.

Am Ende des Tages standen die fertigen Werke nebeneinander.

Kein Korb glich dem anderen. Jeder erzählte seine eigene Geschichte – in Form, Farbe und Flechtung. Gemeinsam wurden sie bestaunt, gedreht, angefasst und mit leuchtenden Augen betrachtet. Die dankbaren Worte der Teilnehmerinnen berührten Nadja Hillgruber. Und auch sie hatte das Gefühl, dass die Frauen mehr mit nach Hause nahmen, das sich nicht nur in den Händen tragen lässt: das Gefühl, einen Sommertag lang ganz im Moment gewesen zu sein.

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