Chili und Peperoni

Kein Sommer ohne die farbenfrohen Chili und Peperoni. Geschmacklich reichen die Unterschiede von süss-fruchtig bis scharf-herb. Ein kleiner Einblick in die Sortenvielfalt sowie hilfreiche Tipps zum Anbau in Töpfen und im Garten.

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Von Marianna Serena

Die Sortenvielfalt der Chili und Peperoni ist immens. Leider erschliesst sie sich bei uns nur den experimentierfreudigen Gärtnerinnen und Gärtnern. Im Lebensmittelladen bekommt man mit Glück neben den gängigen süssen Blockpaprikas noch kleine, scharfe Chilis – und das wars. Wer hingegen Peperoni und Chili selber anbaut, findet im Internet Tausende Sorten aus aller Welt, die ein Geschmacksspektrum sondergleichen bieten.

Mild, scharf, am Schärfsten
Für Neulinge sei warnend vorweggenommen: Lang, dünn und spitz ist nicht gleich scharf, rot ist nicht schärfer als grün. Der Übergang von süss und mild zu scharf ist fliessend. Die Schärfe der Chili wird in der zehnstufigen Scoville-Skala, die 1912 vom Pharmakologen Wilbur Scoville entwickelt wurde, angegeben: 0 ist absolut mild, wie die gängige Gemüsepeperoni, 1 bis 3 ist mild bis mittelscharf, 4 bis 6 schärfer, 7 bis 10 extrem scharf. Mir persönlich reicht bereits eine 3, um das Wasser aus den Augen zu treiben. Chili-Freaks müssen unempfindliche Gaumen haben.

Grün, rot, gelb, violett
Jede Paprikafrucht macht mit der Reife einen Farbumschlag mit. Sortenabhängig reifen sie von Grün zu Rot, von Grün zu Gelb, von Dunkelviolett zu Rot, von Grün zu Violett, von Blassgelb zu Rot und so weiter. Kurzum, farbig ist kein Reifemerkmal; erst die reifen Früchte sind voll aromatisch. Ich muss mich also bei meiner Sorte über ihre Reifefarbe informieren.

Sorten, die sich bewähren
Viele der Chili- und Paprikasorten eignen sich nicht für unser Klima; sie hätten es gerne wärmer, länger warm und feuchter. Die nachfolgenden Sorten  eignen sich für den hiesigen Anbau und sind erfolgversprechend. 

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‘Sweet Chocolate’
Der Name sagt schon alles über den herausragenden, feinen und milden Geschmack. Diese mittelgrossen, unten schmaler werdenden, blockigen Früchte sind vorerst grün und reifen langsam zu einem schokofarbigen Dunkelviolett-Braun ab. Dann ist die Zeit der Ernte gekommen. Sweet Chocolate ist frühreif und eignet sich deshalb auch in unserem Klima für den ungeschützten Anbau im Gartenbeet.

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Tomatenpaprika
Ebenfalls mild und süsslich, dabei leicht nach Apfel schmeckend, sind die Tomatenpaprika. Es gibt zwei Sortentypen: Rote, die von Dunkelgrün nach Rot reifen, und die selteneren Gelben, die von Dunkelgrün nach Goldgelb reifen. Die Form der Früchte gleicht einer flachen, gerippten Fleischtomate. Tomatenpaprikas sind freilandtauglich, frohwüchsig und wenig krankheitsanfällig. Übrigens sind sie in Mitteleuropa schon lange bekannt: Sie wurden bereits im 17. Jahrhundert im Garten zu Hessen in Deutschland angebaut.

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‘Wieser Milder’
Lang, schmal, spitz und dünnwandig sind die Früchte dieser Sorte. Dabei reifen sie von Grün nach Rot. Scharf? Auf keinen Fall! Diese österreichische, in Wies in der Steiermark gezüchtete Paprika wurde zur Herstellung von edelsüssem Paprikapulver entwickelt. Sie eignet sich deshalb entweder als fein geschnittene Dekoration in einem Salat oder eben zum Trocknen und Mahlen. Wieser Milder ist frühreif, trägt reich und eignet sich gut für den ungeschützten Anbau im Garten. Die Sorte ist auch in Töpfen ertragreich und hübsch anzusehen.

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Elefantenrüssel, gelb
Schon früher haben Botaniker verschiedene Paprikasorten als «Elefantenrüssel» beschrieben, wohl aufgrund ihrer langen, dünnen und gebogenen Form. Pro Specie Rara erhält eine gelbe Sorte mit Früchten, die bis 20 cm lang und sichelförmig gebogen sind. Sie reifen von Grün zu Gelb und schmecken ziemlich scharf. Die buschigen Pflanzen gedeihen sehr gut in Töpfen.

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‘Tequila Sunrise’
Haben Sie schon einmal ein Glas des gleichnamigen Cocktails betrachtet? Und dabei die Farbabstufung von Gelb über Orange bis Orangerot studiert? Genau so sehen die Früchte dieser Sorte kurz vor der Vollreife aus. Sie reifen von Dunkelgrün zu Hellgelb und dann nach Orangegelb. Sie schmecken leicht scharf und sind knackig. Tequila Sunrise präsentiert sich dekorativ in Töpfen, eignet sich aber auch fürs Freiland.

Anpflanzen und pflegen
Paprikas brauchen mindestens 10 bis 12 Wochen von der Aussaat bis zur Pflanzung. Ende Februar bis Mitte März sät man im Haus aus und stellt die Keimschalen über einen Heizkörper. Chilifreaks haben dafür spezielle Heizkissen. Paprikasamen keimen bei 25 bis 28 °C. Keimen sie nicht, ist oft die Temperatur zu tief. Ungefähr drei Wochen nach der Aussaat werden sie noch im Keimblattstadium, also mit nur zwei Blättchen, pikiert. Jedes Pflänzchen bekommt ein separates Töpfchen, möglichst mit frischer Balkonerde. Nun wachsen die Pflänzchen an einem sonnigen, vorzugsweise hellen Platz bei 20 bis 22 °C. Ab April dürfen sie an warmen Tagen ins Freie. Sobald es aber dämmert und die Nacht abkühlt, nimmt man sie hinein. In lauen Nächten genügt der Schutz eines Treibbeetes oder Wintergartens.

Erst Ende Mai dürfen Chilis und Peperoni definitiv ins Freie. Für den Balkon pflanzt man jeden Setzling in einen separaten 15- bis 20-Liter-Topf, gefüllt mit guter, nährstoffreicher Balkonerde. Der Topf wird an einen warmen, möglichst sonnigen Platz gestellt. Im Garten wählt man ebenfalls ein warmes und sonniges Beet und pflanzt im Abstand von 40 cm in der Reihe und 50 cm zwischen den Reihen.

Tipp : Warm halten – auch an den Füssen
Paprikas benötigen für ihr Wachstum viel Sonne und Wärme. Chili oft noch mehr als Peperoni. Chili wachsen eher besser in Tontöpfen als im Garten, weil die Erde im Freiland meist kühler ist als diejenige im Topf, der sich an einem sonnigen Tag schnell erwärmt. Steht der Topf zudem auf Steinplatten, kann nichts mehr schiefgehen.

Tipp : Giessen
Vor der Pflanzung stellt man Paprikapflanzen ins Wasser, damit sie sich vollsaugen und danach gut anwurzeln. Die ersten zwei Wochen wird regelmässig gegossen, danach etwas weniger. Wenn im Sommer die Früchte ansetzen, brauchen die Paprikas wieder mehr Wasser. Im Topf muss regelmässiger gegossen werden als im Garten.

Tipp : Hohe Luftfeuchtigkeit
Paprika stammen aus dem tropischen Südamerika. Deshalb lieben sie eine hohe Luftfeuchtigkeit, was leider bei uns nicht immer einfach zu erfüllen ist. Bei hohen Temperaturen im Sommer und niedriger Luftfeuchtigkeit lassen die Pflanzen Blüten und Früchte fallen. Letztes Jahr machte ich einen Test, da mein Garten im Hochsommer ziemlich stark thermischen Winden ausgesetzt ist: Ich pflanzte jeweils einige Setzlinge in ein einseitig geschütztes Tomatenhaus, die anderen Setzlinge kamen ungeschützt ins Freiland. Letztere wuchsen kräftiger und produzierten deutlich mehr und grössere Früchte. Im Tomatenhaus wurden sie nicht beregnet, aber trotzdem besonnt – die Luftfeuchtigkeit war folglich niedriger als im Freiland, wo schon mal ein Gewitterregen über die Paprikas fiel und danach die nasse Erde dampfte. Beim Giessen lieben Paprikas neben einem kräftigen Guss in den Wurzelbereich auch eine warme Dusche über die Blätter. Gute Erfahrungen habe ich zudem mit dem Überdecken der Pflanzen mit Gartenvlies gemacht. Dies funktioniert sowohl im Garten als auch im Topf. Nach der Pflanzung bis zum Beginn des warmen Sommerwetters im Juli packe ich die Pflanzen in Vlies ein oder baue ihnen einen Vliestunnel, damit die Blätter von einer hohen Luftfeuchtigkeit umgeben sind. 

Tipp : Gut füttern
«Paprika müssen nicht gedüngt, sie müssen gefüttert werden!», meinen ungarische Paprikabauern. Einmalige Kompostgaben zu Beginn der Saison reichen nicht aus. Regelmässige Düngerzufuhr mit Brennnesseljauchen oder einem organischen Flüssigdünger fördern das Wachstum und den Ertrag. 

Tipp : Entfernen der Kronblüte
Besonders wichtig in Lagen mit kühlem Frühling – was in der Schweiz die Regel ist – ist die «Kronblüte», die allererste Blüte, die zu entfernen ist. Lässt man sie stehen, beginnt auf den noch kleinen Pflanzen die Fruchtausbildung und die Pflanze wächst nicht mehr weiter. Dies führt bis im Herbst zu viel weniger Früchten pro Pflanze.

Tipp : Überwintern
Paprikas im Hausgarten und im Topf werden selten von Schädlingen oder Krankheiten befallen. Wer Platz in der Stube hat, kann versuchen, im Herbst seine Paprikatöpfe ins warme Wohnzimmer an einen hellen Fensterplatz zu stellen. Die Früchte reifen weiter und falls keine Blattläuse auftauchen, bleiben die Pflanzen bis zum nächsten Frühling grün. Vielleicht fruchten sie sogar eine zweite Saison!

So haben Sie Zugang zur Sortenvielfalt
•    Biologisches Saatgut von Peperoni- und Chilisorten kann bei Sativa Rheinau bestellt werden: www.sativa-rheinau.ch. Im Online-Shop werden 16 Sorten angeboten, darunter einige der hier vorgestellten.

•    Das Erhaltungsnetzwerk von Pro Specie Rara tauscht über den auch für Gönner/-innen zugänglichen «Sortenfinder» über 20 verschiedene Paprikasorten, darunter einige der hier beschriebenen, Infos unter www.prospecierara.ch.

•    Ebenfalls Bio-Saatgut von rund 12 verschiedenen, darunter auch feurig scharfen Chili- und Peperonisorten sind bei Zollinger Samen erhältlich, www.zollinger-samen.ch.

•    Das weltweit grösste Chili-und Peperoni-Netzwerk der Freaks dokumentiert zurzeit 3795 Sorten: www.thechileman.org, in englischer Sprache. Saatgut wird weltweit versendet.

•    Und wer bei der Jungpflanzenanzucht nicht erfolgreich war, dem seien die Setzlings- und Biomärkte in der Frühlingszeit empfohlen. Hier findet sich immer wieder einmal eine spezielle Chili- oder Peperonisorte.

© Fotos: Franca Pedrazzetti, Beat Brechbühl

Quelle

Zeitschrift «Bioterra»,
Bioterra Magazin Juli/August 2016
(Samstag, 04. Juni 2016)
Kategorie: 
Gemüse - Mischkulturen