Wieso Bio-Zierpflanzen? Ein Gepräch.

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April 2020 | Zeitschrift | Biogarten


Obwohl Zierpflanzen nicht in erster Linie zum Verzehr gedacht sind, sprechen viele Gründe dafür, sich auch bei Blütenpflanzen für Bio zu entscheiden. Warum, erklärt Marianna Serena, Direktorin der Gartenbauschule im bernischen Hünibach.

Von Carmen Hocker

Gemüse aus biologischem Anbau zu kaufen, wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Laut Bio Suisse erzielte Biogemüse 2018 einen Umsatz von Fr. 180 Mio., neun Prozent mehr als im Vorjahr. Somit liegt der Marktanteil von Biogemüse bei gut 25 Prozent. Ist beim Kauf von biologisch produzierten Zierpflanzen ein ähnlicher Trend zu verzeichnen?

Noch nicht. Wenn es darum geht, etwas zu essen, ist die Sensibilität höher. Bei Zierpflanzen drückt man da eher ein Auge zu. Möchte man der Umwelt Sorge tragen, sollte man sich aber generell für biologisch hergestellte Produkte entscheiden. Aufgrund von Schwellenwerten und strengen Lebensmittelkontrollen sind wir Menschen beim Verzehr gut geschützt. Problematisch sind die Rückstände im Boden. Wenn auch kommende Generationen noch fruchtbare Böden vorfinden sollen, müssen wir sorgsamer mit unseren Ressourcen umgehen.

Eignen sich manche Pflanzen besser zur biologischen Produktion als andere? Und wenn ja, warum?

Frostharte Stauden sind einfacher biologisch zu kultivieren. Da sie als Mehrjährige draussen überwintern, sind sie von Natur aus robuster und weniger anfällig als einjährige im Gewächshaus kultivierte Zierpflanzen. Das ist auch ein Grund, weshalb es mehr Biogärtnereien gibt, die Stauden kultivieren.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen bei der biologischen Anzucht von Sommerflor?

Qualitativ ist biologisch produzierter Sommerflor gleich oder gar besser als konventioneller. Mit den heutigen organischen Düngern und biologischen Pflanzenschutzmitteln gibt es keine Nachteile mehr, wie das vielleicht noch vor fünfzehn Jahren der Fall war. Herausforderungen gibt es eher in der Kulturführung.

Können Sie dies anhand eines Beispiels illustrieren?

Wer Zierpflanzen biologisch produziert, hat ein höheres Ausfallrisiko, weil Fehler grössere Folgen haben. Die Kulturbedingungen im Gewächshaus müssen optimal sein. Kommt es zu Schädlingsbefall, weil zu viel Wasser gegeben wurde, kann dies nicht einfach durch Pestizide ausgeglichen werden. Damit die Pflanzen während der Anzucht mit den richtigen Nährstoffen versorgt werden, müssen die Gärtner genau wissen, welche Dünger in welcher Kombination und in welcher Menge zu verwenden sind. Am Ende ist alles wieder eine Frage des sorgsamen Umgangs mit den Ressourcen.

Kritische Stimmen bezeichnen konventionell produzierte Zierpflanzen als Wegwerfpflanzen.

Konventionell produzierte Pflanzen sehen auf den ersten Blick vielleicht gut aus. Mit synthetischen Düngern zu schnellem Wachstum angetrieben, sind sie zwar grossblütig, aber ihre Zellen enthalten zu viel Wasser. Dadurch reagieren sie empfindlicher auf Frost und Schadorganismen.

Gibt es verborgene Werte der Bio-Zierpflanzen?

Ja, das gibt es in der Tat. Eine Pflanze, die mit organischem Dünger produziert wird, ist robust und weniger verwöhnt durch schnelle, direkte Nährstoffzugaben mit mineralischem Dünger. Biopflanzen weisen ein ausgeprägteres Wurzelwachstum auf, wodurch sie die Nährstoffe aus der Erde besser aufnehmen und schneller anwachsen – egal, ob im Topf oder im Gartenbeet.

Dennoch ist der Bio-Zierpflanzenmarkt klein.

Stimmt. In der Landwirtschaft sind durch die höhere Nachfrage mittlerweile ausreichende Mengen an Biosaatgut und Biojungpflanzen auf dem Markt. Im Zierpflanzenbereich ist das anders. Noch immer ist es für Biogärtnereien eine Herausforderung, Biosaatgut und -jungpflanzen für Zierpflanzen zu bekommen. Stiege die Nachfrage deutlich, würden die Produzenten darauf reagieren.

Und zu guter Letzt: Welchen Gedanken geben Sie den Leserinnen und Lesern von «Bioterra» mit auf den Weg?

Wieder in Kreisläufen zu denken. Wer einen Biogarten haben will, sollte wissen, wo die Pflanzen herkommen und wie sie kultiviert wurden. Es kann nicht sein, dass wir billige konventionell produzierte
«Bienenschmaus»-Pflanzen kaufen, um Insekten in unsere Gärten zu locken. Und ausblenden, dass sie mit hochgiftigen Pestiziden behandelt wurden. Alles, was wir in den Garten bringen, gelangt am Ende in den Boden und ins Wasser.

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Marianna Serena ist seit 1. Juli 2016 Direktorin der Gartenbauschule Hünibach. Ursprünglich hat sie eine Ausbildung zur Haushaltungs- und Sportlehrerin absolviert. Später studierte sie an der ZHAW Wädenswil Hortikultur/ Umweltingenieurwesen. Anschliessend arbeitete sie acht Jahre bei Pro Specie Rara, wo sie unter anderem Projekte zur Erhaltung von Gemüsesorten leitete und die Samenbibliothek führte.

Greenpeace-Studie: Giftiger Garten Eden

Im Jahr 2014 hat Greenpeace eine Studie veröffentlicht, bei der in zehn europäischen Ländern Zierpflanzen aus Baumärkten, Gartencentern und Supermärkten im Labor untersucht wurden. Untersucht wurden neben der Schweiz Pflanzen aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Spanien und Ungarn. Zu den Proben zählten mehr als 35 beliebte Sorten wie etwa Hornveilchen, Glockenblumen und Lavendel. Alles Blütenpflanzen, die bei Bienen besonders beliebt sind. Von 86 analysierten Proben wurden in 84 (97,6 %) Pestizidrückstände nachgewiesen. In 68 der 86 getesteten Zierpflanzen (79 %) wurden bienenschädliche Pestizide entdeckt. Eine Zusammenfassung der Studie kann auf der deutschen Website von Greenpeace als PDF heruntergeladen werden.


Dieser Artikel wurde in der April-Ausgabe 2020 des Magazins «Bioterra» publiziert.