Tipps und Tricks: Vorziehen von Gemüse-Setzlingen

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April 2020 | Gartenwissen | Regionalgruppen


Unsere Regionalgruppen bieten – normalerweise – jährlich über 240 Weiterbildungsmöglichkeiten rund um den Bio- und Naturgarten in Ihrer Region an. Mindestens ein Teil davon entfällt nun leider aufgrund der Corona-Krise. Wir bleiben zuhause und haben vielleicht umso mehr Zeit und Lust, uns gärtnerisch zu betätigen.

Beat Anker von der Regionalgruppe Berner Seeland gibt seit 12 Jahren einen fünfteiligen Kurs zum biologischen und naturnahen Gärtnern für Anfängerinnen und Anfänger. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz verrät er uns viele Tipps und Tricks zum Vorziehen von Gemüse-Setzlingen, damit wir trotz Kursausfällen davon profitieren können:

Schritt 1: Aussäen

Das Samenkorn, ein Wunderwerk der Natur. Da steckt schon alles drin, die Signatur der Pflanze, Anlagen für Blüte, Duft, die zukünftige Frucht. Es reagiert auf Umweltfaktoren wie Kälte, Wärme, Licht, Höhenlagen. Beim Saatgut sollten Sie biologisches und unter hiesigen Bedingungen vermehrtes verwenden (suchen Sie hier nach Saatgut-Produzenten in Ihrer Region), denn diese Samen sind angepasst und entsprechend widerstandfähig. Ausser Sie bevorzugen es, dass Schnecken später an den schwachen Pflanzen viel Freude haben.

Wichtig ist auch das richtige Substrat. Beat Ankers Mischung besteht aus 40% Gartenerde, 40% Kompost und 20% Sand. Die Mischung soll möglichst dem Verhältnis des Bodens entsprechen, in den die Setzlinge später eingepflanzt werden. Beim Aussäen keinen Dünger verwenden, da die Pflänzchen bei zu vielen Nährstoffen zu schnell in die Höhe schiessen.

So weit so gut. Aber wann kommt denn nun was in die Erde? Für Peperoni, Auberginen oder Sellerie ist es bereits zu spät. Diese Gemüsesorten wachsen sehr langsam und werden darum nur bis Anfang März ausgesät. Tomaten folgen im Verlaufe des Märzes, jetzt (Anfang April) geht es gerade noch. Schnellwachsende Pflanzen wie Gurken, Zucchetti oder Kürbis sät man in der ersten Aprilhälfte aus. Und mit Salat kann man das ganze Jahr über starten.

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(Bild: Beat Anker)

Samen von Sellerie, Kresse, Basilikum oder Salat werden auf die Erde gestreut, leicht angedrückt und befeuchtet. Um sie vor dem Austrocknen zu schützen, kann man ein Zeitungsblatt oder ein feuchtes Tuch darüberlegen. Bei anderen Samen gilt die Grundregel, dass sie etwa ihrer Samendicke entsprechend tief in die Erde gesteckt werden. Wie man so schön sagt: Bohnen müssen die Glocken läuten hören; sollen also nicht zu tief gelegt werden. Alle Samen müssen immer feucht gehalten werden. Staunässe hingegen gilt es zu vermeiden, sonst faulen sie.

Die Aussaatschalen kommen anschliessend auf die Fensterbank. Sobald sich die ersten Keimlinge zeigen, dürfen sie tagsüber jeweils für ein paar Stunden zur Abhärtung ins Freie. Bei Salat geht das bereits ab 5 Grad, für Tomaten, Auberginen oder Peperoni sollte es mindestens 10 Grad warm sein.  Die Aussaaten sind immer mit Steckzetteln angeschrieben.

Schritt 2: Pikieren (Vereinzeln)

Das Pikieren ist dann nötig, wenn man relativ dicht gesät hat. Die Pflänzchen erhalten so mehr Platz, um sich zu entfalten.

Und so geht es: Wenn die ersten richtigen Blätter zu sehen sind (nicht die Keimblätter, die sehen anders aus), werden die Setzlinge mit einer Gabel ausgestochen, die Erde fällt dabei ab. Lange Wurzeln müssen mit der Schere gekürzt werden, wobei 2 bis 3cm stehen bleiben. Macht man das nicht, hat die Pflanze später Orientierungsprobleme, weil die Wurzeln falsch liegen. Jeder Setzling kommt nun in einen Einzeltopf oder zumindest ein Einzelabteil. Dazu wird in die Erde mit einem Stab vom Durchmesser eines Bleistiftes ein Loch gemacht, anschliessend das Pflänzchen reingesetzt und angedrückt.

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(Bilder: Beat Anker)

In die Erdmischung kommt eine Düngergabe dazu, etwa Hornmehl. Grundsätzlich werden die Setzlinge so tief gepflanzt, wie sie auch vorher gewachsen sind. Sellerie oder Kohlrabi auf keinen Fall zu tief, da sie sonst keine Knollen bilden. Doch keine Regel ohne Ausnahme: bei Tomaten kann man durchaus einen Teil des Stieles mit eingraben, so dass Sekundärwurzeln wachsen.

Die Pflänzchen werden vorsichtig mit Wasser besprüht, auf einen Untersatz gestellt und immer nur im Untersatz gegossen, von wo sie Wasser ansaugen können. Nach ein bis zwei Stunden das Restwasser entfernen. In diesem Stadium fügt Beat Anker dem Wasser bereits Jauche bei. Bei ihm ist es Jauche von Brennnessel und Schachtelhalm, die im Verhältnis 1:10 ins Wasser gemischt wird. Das stärkt die Pflanzen ungemein.

Die Setzlinge sollte man tagsüber nun so lange wie möglich draussen lassen, über Nacht kommen sie rein. Im Frühbeet kann Salat auch über Nacht draussen bleiben. Und dann gilt es abzuwarten, bis sie etwa Mitte Mai – oder je nach Gemüsesorte auch schon früher – endlich ihr finales Quartier im Garten oder Topf beziehen können.

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(Bild: Beat Anker)


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