Zauberreich Schattengarten

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Von Carmen Hocker

In einem Land, in dem es über Monate trüb und kalt sein kann, wundert es nicht, dass die Menschen nach Sonne streben. Wir richten unsere Häuser und Gärten nach Süden aus und holen mit grossen Fenstern Licht ins Innere. Vielleicht ein Grund, weshalb viele schattige Vorgärten etwas vernachlässigt werden. Dabei könnten gerade sie zu ganz besonderen Gartenräumen werden. «Lasst uns eine Tür auf-stossen, um wie Alice im Wunderland in eine andere Welt zu gelangen!», ruft der Staudengärtner Xavier Allemann auf. Sein grosses Vorbild und Quelle der Inspiration ist die Niederländerin Mien Ruys, die im vergangenen Jahrhundert Gärten schuf. Sie wusste eine Verbindung mit der Seele des Ortes zu schaffen – manchmal mit ganz einfachen Mitteln. In einem ihrer Gärten war das ein Kreis, in dem unter einem knorrigen Apfelbaum eine Gartenbank stand. Diese lud einfach dazu ein, unter dem Blätterdach das Spiel mit Licht und Schatten auf sich wirken zu lassen.

Mystisches Wasser
Sinnliches Erleben verspricht auch das Element Wasser. «Im Schat-tengarten ist es – mehr als an der Sonne – von Bedeutung», ist Xavier Allemann überzeugt. In Form eines leise plätschernden Sprudelsteins, eines Brunnens oder einfach eines Trogs verleiht es dem Garten etwas Geheimnisvolles. Wenn man den Schattengarten inszeniere, habe er eine unglaublich starke Ausstrahlung. Um Ideen und einen Zugang zu finden, empfiehlt Allemann, die einzelnen Gartenräume zu benennen. Diesen Tipp habe er von der belgischen Landschaftsarchitektin Isabelle Van Groeningen, die ihr Wissen in Berlin an der Königlichen Gartenakademie weitergibt. Anstatt über die «Restfläche Vorgarten» zu grübeln, wirkt allein der Gedanke an ein verzaubertes Wunderland inspirierend.

Geduld bringt Erfolg
In seiner Staudengärtnerei hört Allemann immer wieder von frus-trierten Kunden, die in den Schattenbeeten ziellos experimentiert hatten. «Zunächst muss man sich die richtigen Fragen stellen, wie zum Beispiel: Was sind die Besonderheiten eines Schattengartens?» Zu bedenken sei, dass die Pflanzen im Schatten grundsätzlich länger brauchen, um sich zu etablieren. Dafür seien sie dann oft sehr langlebig, wie beispielsweise im Fall der Sterndolden oder Herbstanemonen. Doch selbst wenn man zu den geduldigen Gärtnerinnen zähle, lohne es sich, ein paar Solitärstauden von Anfang an in grösseren Töpfen zu setzen. Ein Schaublatt Rodgersia oder ein Goldkolben Ligularia würden durch eine gewisse Grösse von Beginn an für Dramatik im Beet sorgen. Eine weitere Besonderheit sei die Betonung des Blattschmucks, der auch einer Pflanzung mit Blütenstauden Halt und Struktur gibt.

Form vor Farbe
Überraschend ist die Empfehlung, bei der Pflanzenkomposition die Form der Blüte über deren Farbe zu stellen. Die britische Garten-Ikone Beth Chatto sagte, dass man weniger Farbfehler machen könne, sofern man sich zuvor über die Form Gedanken gemacht habe. Reizvoll ist es, Dolden mit Ähren  zu kombinieren und auch die Form und Textur des Laubs zu berücksichtigen. Und doch sind es am Ende die Blüten, die unser Herz höher schlagen lassen.

Bei der Auswahl unseres Leserangebots hat Xavier Allemann darauf geachtet, dass über Monate etwas blüht: angefangen bei Sterndolde, über Prachtspiere und Busch-Knöterich bis hin zu Silberkerze und Herbstanemone. So ergeben die runde Blütenform der Sterndolde, die Federform der Prachtspiere und die hoch wachsenden Ähren der Sil-berkerze eine abwechslungsreiche Komposition. Unkomplizierte Gräser wie das Berg-Reitgras Calamagrostis varia können zusätzlich Bewegung bringen, da sich ihre Stängel beim leisesten Windhauch neigen. Wer beginnt, seinen schattigen, feuchten Vorgarten nicht als Sorgenkind, sondern als Chance zu betrachten, wird vielleicht bald ein Gartenzimmer mit besonderem Charme schaffen. Denn so unglaublich es auf den ersten Blick erscheinen mag: Ein Garten ohne Schatten ist unerträglicher als einer, der mit Licht und Schatten spielt.

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REMONTIERSCHNITT
Nach der ersten Blüte der Sterndolden können die Stängel und welkes Laub knapp über dem Boden abgeschnitten werden. Die Staude treibt danach wieder frisch aus und bringt eine etwas schwächere Nachblüte hervor. In dieser Zeit können die Stauden auch etwas mit organischem Dünger versorgt werden. Wichtig ist, dass Sterndolden es immer genügend feucht haben, um sich zu etablieren.

PLANTATION À L’ANGLAISE
Pflanzt man neue Stauden im Sommer, ist diese Art der Pflanzung von Vorteil. Zuerst setzt man die neuen Stauden im Topf in einen grossen Kübel mit Wasser, damit sich die Wurzelballen vollsaugen können. Währenddessen hebt man ein Pflanzloch aus, füllt es mit Wasser und lässt es wieder ablaufen. Anschliessend setzt man den Wurzelballen ein und giesst nochmals, ca. 20 Liter pro Quadratmeter. Alle Stauden des Leserangebots lieben nahrhaften, feuchten Gartenboden.

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Leserangebot: Blütenstauden für feucht-schattige Standorte

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Xavier Allemann von der Staudengärtnerei «lautrejardin» (Bioterra-Betrieb) in Cormérod FR hat für Sie verschiedene Kultursorten ausgewählt, damit auch ein schattiger Vorgarten vom Frühsommer bis in den Herbst erblüht.    

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Actaea simplex ‘Brunette’ Dunkle September-Silberkerze
Standort: schattig bis halbschattig  |  Blütezeit: September bis Oktober  |  Blütenfarbe: weiss  |  Höhe: 140 bis 160 cm   |  Dichte: 1 pro m2
«Eine Silberkerze in gewohnt stattlicher Höhe, die als Solitär Präsenz zeigt. Mehr noch als die Sorte ‘Atropurpurea’ hat sie tatsächlich rotbraune, fast schwarze Stiele und gefiedertes Laub. Ihre Knospen sind dunkel und öffnen sich zu weissen Blüten mit einem Hauch Rosa. Ihre Samenstände sind bis in den Winter eine Zier, wenn sie mit Reif überzogen sind.»

Actaea japonica ‘Cheju-do’Kleine Korea-Silberkerze
Standort: schattig bis halbschattig  |  Blütezeit: August bis September  |  Blütenfarbe: weiss  |  Höhe: 60 bis 70 cm   |  Dichte: 6 Pflanzen pro m2 (in kleinen Gruppen)
«Bei dieser kleinwüchsigen Sorte von der südkoreanischen Insel Jeju-Do ragen die Blütenstängel straff aufrecht aus dem glänzenden Laub hervor. Dabei wirken ihre weissen Blütenähren luftig-leicht. Diese Staude bildet einen wunderbaren Ruhepunkt im Beet. Für mich hat sie eine grosse Zukunft als Solitärpflanze am schattigen Gehölzrand.»

Anemone x hybrida  ‘Königin Charlotte’ Herbst-Anemone
Standort: sonnig bis halbschattig  |  Blütezeit: August bis Oktober   |  Blütenfarbe: rosa  |  Höhe: 60 bis 90 cm   |  Dichte: 4 pro m2
«Eine historische Sorte, die bereits 1898 gezüchtet wurde. Sie schmückt sich mit zahlreichen rosafarbenen Schalenblüten, die leicht gefüllt sind. ‘Königin Charlotte’ ist sehr standfest und kommt auch mit etwas Trockenheit zurecht. Wird sie im Herbst gesetzt, benötigt sie etwas Laubschutz. Hat sie sich erst einmal etabliert, können Sie Nachbarn und Freunde mit Ablegern erfreuen.»

Astilbe simplicifolia  ‘Sprite’ Prachtspiere 
Standort: halbschattig  |  Blütezeit: Juli bis September   |  Blütenfarbe: rosa  |  Höhe: 40 cm   |  Dichte: 9 pro m2
«Diese Astilbensorte hat glänzendes, gezahntes Laub. Ihre zarten Blüten wirken anmutig und sanft. ‘Sprite’ eignet sich sehr gut als Bodendecker, da diese Sorte niedrig bleibt. Hübsch ist es auch, diese Prachtspiere mit Vertretern der straffer und höher wachsenden Chinensis-Gruppe zu kombinieren.»

Astilbe chinensis  ‘Vision in Pink’ Prachtspiere
Standort: halbschattig  |  Blütezeit: Juli bis August  |  Blütenfarbe: rosa  |  Höhe: 60 cm  |  Dichte: 4 pro m2
«Die Vertreter der Chinensis-Gruppe haben eine kompakte Grösse, ihre federartigen Blüten wachsen an aufrechten Stielen und fallen nicht zur Seite. Astilben wirken vor allem in Gruppen, durchaus in grösserer Zahl. Sie sind anpassungsfähig und vertragen auch trockeneren Boden. Die Blütenstände geben bis in den Winter hinein eine hübsche Struktur.»

Astilbe chinensis ‘Vision in Red’ Prachtspiere Standort: halbschattig   |  Blütezeit: Juli bis August  |  Blütenfarbe: magenta  |  Höhe: 60 cm   |  Dichte: 4 pro m2
(Beschreibung s. Astilbe chinensis ‘Vision in Pink’.)

Astrantia major ‘Star of Billion’ Weisse Sterndolde
Standort: sonnig bis halbschattig  |  Blütezeit: Juni bis Juli und September  |  Blütenfarbe: silbrig bis rosa, grünlich überhaucht  |  Höhe: 60 cm   |  Dichte: 6 pro m2  |  Bienenweide
«Wie der Name bereits andeutet, trägt diese Sterndolden-Sorte unzählige, eher kleinere Blüten. Sie benötigt einen feuchten, nahrhaften Boden, um zu gedeihen.»

Astrantia major ‘Roma’ Rosa Sterndolde 
Standort: sonnig bis halbschattig  |  Blütezeit: Juni bis Juli und September  |  Blütenfarbe: rosa bis rosarot  |  Höhe: 70 cm   |  Dichte: 6 pro m2   |  Bienenweide
‘Roma’ ist eine standfeste, langlebige Sorte. Während man andere Sorten nach einer gewissen Zeit teilen sollte, um die Vitalität zu erhalten, kann ‘Roma’ über Jahre an ihrem ursprünglichen Pflanzort bleiben. Sie sieht in einem gemischten Staudenbeet und auch zu Rosen bezaubernd aus.»

Astrantia major  ‘Shaggy’ Weisse Sterndolde Standort: sonnig bis halbschattig  |  Blütezeit: Juni bis Juli und September  |  Blütenfarbe: weiss mit grünen Spitzen  |  Höhe: 70 cm   |  Dichte: 6 pro m2  |  Bienenweide
«Diese Sorte trägt grössere Blüten als ‘Star of Billion’. Eine Züchtung, die eben-falls aus Grossbritannien stammt und auch unter dem Namen ‘Margery Fish’ im Handel ist. Wie alle Sterndolden liebt sie feuchten, nahrhaften Boden. »

Aconogonon polymorphum ‘Johanniswolke’ BuschKnöterich, Staudenflieder
Standort: sonnig bis halbschattig  |  Blütezeit: Juni bis Oktober  |  Blütenfarbe: weiss  |  Höhe: 150 bis 200 cm   |  Dichte: 1 pro m2
«Eine meiner Lieblingspflanzen. Als Solitär ist sie eine Pracht. Sie schafft es auch, sich auf trockeneren Böden zu etablieren, steht sie aber feucht, explodiert sie förmlich. Obwohl sie nicht auf der schwarzen Liste steht, würde ich sie nicht an einen Bachrand pflanzen. Ihr Duft ist etwas gewöhnungsbedürftig, weshalb ich sie nicht direkt am Hauseingang oder nahe am Sitzplatz pflanzen würde.»

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