Weil selber säen so viel Freude macht

susi_bioterra_bekabitterli_marz_29.jpgVon Brigitte Bosshard

An den ersten warmen Frühlingstagen durch den Garten streifen, da und dort Ausschau halten und sich freuen auf alles, was von selber spriesst. Dieses Gartenfieber packt Susi Burgermeister jedes Frühjahr. Sie siebt Erde, füllt Kistchen, Töpfe und Saatschalen und beginnt mit der Aussaat ihrer bevorzugten Gemüsesorten. Eigentlich bieten Biogärtnereien heutzutage ein reiches Sortiment an Setzlingen in bester Bioqualität an. Weshalb sich also diese Mühe machen, selber Setzlinge zu ziehen? Es ist die Freude, den ganzen Werdegang einer Jungpflanze vom Samenkorn bis zum gesunden Setzling mitverfolgen und das gute Gelingen beobachten zu können.
Susi Burgermeister rät, mit Gemüse zu beginnen, das einfach zu ziehen ist. Das sind beispielsweise Salate, Kohlrabi, Erbsli, Fenchel, Zucchetti, Kürbis, Gurken und Mais.

Gesiebte Erde Aus dem Garten
Zur Grundausrüstung gehören Saat- schalen und Töpfe mit Untersetzern. Dazu Etiketten und ein feinmaschiges Sieb. Als geübte Gärtnerin kauft sie keine Aussaaterde, stattdessen siebt sie Erde aus ihrem eigenen Garten, auch Erde aus Töpfen, in denen im vergangenen Jahr Tomaten oder Blumen wuchsen. Für das bunt gemischte Salatbeet gibt sie in kleine Töpfe die Schnittsalatmischung ‘Mesclun’ von Sativa aus. Sie enthält roten und grünen Eichblatt, Lattich, Blattbatavia, Endivie, Hirschhornsalat und Rucola.

Wichtig ist, nicht zu dicht zu säen, damit die jungen Pflänzchen nicht zu eng stehen, geil werden und umfallen. Die Samen nur leicht mit Erde bedecken und die Aussaat bis zur Keimung feucht halten. Sobald sich nach den Keimblättern die ersten richtigen Blätter entwickelt haben, ist es Zeit zum Pikieren. Stehen die Keimlinge zu eng, müssen sie ver-pflanzt oder eben pikiert werden, damit sie sich gut entwickeln. Susi Burgermeister füllt wiederum gesiebte Gartenerde in eine Multitopfplatte und versetzt in die eine Hälfte Salat und in die andere stupft sie zwei bis drei Erbslisamen pro Abteil. Schon beim Pikieren erkennt man gut die unterschiedlichen Salatsorten dieser Mischung. Mit dieser Samenauswahl kann man aus einem Saatgutpäckchen fünf verschiedene Salatsorten kultivieren. Nach rund vier Wochen haben die Pflanzen kräftige Wurzelballen gebildet und sind zum Auspflanzen in ein mit Kompost gedüngtes Gartenbeet bereit. Alle Salate setzt man hoch, damit sie schöne Köpfe bilden.

Zwiebel — gesät statt gestupft
Das beschränkte Angebot an Steckzwiebelsorten, vor allem in Bioqualität, fand Susi Burgermeister ziemlich eintönig. Darum entschied sie sich vor Jahren, Zwiebeln selber auszusäen.

Anfang März gibt sie Zwiebelsamen verschiedenster Sorten, zum Beispiel Sommerzwiebeln ‘Gelbe’ und ‘Rote Wädenswiler’* in Anzuchtplatten. Diese füllt sie zuerst mit gesiebter und angefeuchteter Gartenerde. In jedes Abteil legt sie dann drei bis vier Samen und drückt diese leicht an. Die Samen deckt sie mit wenig gesiebter Erde zu und schützt sie mit einer nassen Zeitung vor dem Austrocknen. Optimale Keimtemperatur ist 15 bis 20°C. Sobald die Samen auflaufen, entfernt sie die Zeitung und stellt die Anzuchtplatte kühler, beispielsweise ins Gartenhaus oder in den Treibkasten. Nach zirka sechs Wochen, ab Mitte April, können die Setzlingshorste ungeteilt ins Gartenbeet gepflanzt werden. Im Abstand von 10 cm in der Reihe und 30 cm zwischen den Reihen setzt Susi die Setzlinge nicht zu tief, da sich sonst keine Zwiebeln bilden.

Um Wachstumskonkurrenz zu vermeiden – denn das mögen Zwiebeln nicht – gilt es, das Beet regelmässig zu hacken und zu jäten, will man zu einem guten Ertrag kommen. Bis zum Spätsommer entwickeln sich mittelgrosse, flachrunde Zwiebeln mit sehr guter Lagerfähigkeit, die sich auch zu schönen Zöpfen flechten lassen.

Bei den Küchenzwiebeln wird zwischen Sommer- und Winterzwiebeln unterschieden. Die am häufigsten angebaute Form ist die Sommerzwiebel. In milden Lagen kann die Sorte ‘Stuttgarter’ den Winter über kultiviert werden. Von Mai bis Juni des Folgejahres ist die flachrunde, goldgelbe, ziemlich scharfe Zwiebel dann erntereif. Sie ist zwar nicht lagerfähig und  für den frischen Verzehr geeignet. Lang geformt und zudem bestens geeignet für Kleinhaushalte ist die ‘Birnenförmige’.*

Würziger Asiasalatsusi_bioterra_bekabitterli_marz_39.jpg
Sie umfassen verschiedene Salatgemüse, gehören zu den Kreuzblütlern und schmecken von feinwürzig bis senfartig scharf. Man kann Asia-Salate das ganze Jahr anbauen, sie bereichern aber vor allem in der kühleren Jahreszeit die Salatpalette. Verwendet werden hauptsächlich die jungen Blätter und Stängel. Susi Burgermeister sät Anfang März in eine flache Schale die Asia-Salat Mischung nicht zu dicht aus. Sie besteht aus den Sorten ‘Green in Snow’, ‚Red Giant’, ‘Mizuna’ und ‘Moutarde Rouge Metis’. Sie unterscheiden sich in Farbe und Blattformen. Nach circa 4 bis 5 Wochen können die ersten Blätter als Babyleaf geerntet werden. Man pflückt entweder einzelne Blätter oder man schneidet die ganze Pflanze bis auf 5 cm über dem Boden ab. So werden die Herzen nicht verletzt und die Blätter wachsen nach und sind nach zwei bis drei Wochen erneut erntereif.

Bunte Frühlingssalate 
Gerne streift Susi Burgermeister auch mit Enkelin Ronja durch den Frühlingsgarten und sucht nach jungen Kräuteraustrieben für einen bunten Salat. Im Nu ist das Sieb gefüllt mit einigen Blättern Radicchio ‘Roter von Verona’, Giersch, feinen Fencheljungtrieben, und aus dem Frühbeetkasten zupfen sie Blätter vom Winterlattughino ab. Da die Gärtnerin den Catalogna im Herbst nicht ausgegraben hat, spriessen aus dem Wurzelstock feine Jungtriebe, die wunderbar in den Frühlingssalat passen, der eine bittere Note gut vertragen kann.

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Gemüsegarten – Erste Ausaaten im März

Susi Burgermeister empfiehlt:

Rote Wädenswiler Selektion Z*
Diese Zwiebel wird gesät! Dunkelrote, mittelgrosse Zwiebel. Hervorragend im Geschmack und bestens für die Lagerung geeignet.

Sommerzwiebel ‘Birnenförmige’**
Alte, gelbschalige Sorte. Süsse Zwiebel, geeignet für den Kleinhaushalt.

Wunder von Kelvedon*
Frühe, reich tragende Erbse, sehr süss im Geschmack.

Chateaurenard**
Früher, kleinköpfiger Sommerkohl

Pomodorini di Sardegna***
10—20 g schwere Kirschtomate, mit vielen nutzbaren Seitentrieben. Grosser Ertrag

Fleischtomate 'Evergreen'**
Feine Salattomate mit flachrunden, grünen Früchten. Die Früchte werden mit der Reife goldgelb, bleiben aber innen grün.

* www.zollinger-samen.ch,  **  www.sativa-rheinau.ch, *** www.arthasamen.ch

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Gedämpfte Tagliliensprossen, ein delikates Gemüse

In Susi Burgermeisters altem Bauerngarten haben sich die gelb-roten Taglilien Hemerocallis fulva stark verbreitet. Die mehrjährige Pflanze, die sich vor allem über Rhizome ausbreitet, entwickelt im Frühjahr zuerst die langen zwei bis drei Zentimeter breiten Blätter. Susi schneidet diese jungen, zarten Pflänzchen bis zu einer Grösse von 20 cm ganz am Ansatz ab. Kurz in wenig Salzwasser gekocht, abgegossen, mit einigen Tropfen Olivenöl, 1 Prise Pfeffer als lauwarme Vorspeise serviert, schmeckt dieser «falsche Lauch» sehr delikat und hat einen süsslichen Geschmack.
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susi_bioterra_bekabitterli_marz_7.jpgPulsatilla vulgaris – Gemeine Küchenschelle

Wenn im März langsam der Frühling erwacht, ist Susi Burgermeisters Garten über und über mit Primeln, Narzissen und Veilchen übersät. Auf dem schön  geschwungenen Sandsteinmäuerchen lässt ein kleiner Horst von blauvioletten Küchenschellen die Glöckchen klingen. Küchenschellen lieben einen vollsonnigen Standort. Gerne hat die schöne, alte Heilpflanze steinigen, nährstoffarmen, sandigen Boden. Sie ist genügsam und braucht keine besondere Pflege, nur Nässe schadet der Pflanze. Schmetterlinge, Bienen und auch Hummeln schätzen die Pflanze sehr.

 

Fotos: Beka Bitterli