Sinnliche Kräuter

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Lavendel und Thymian öffnen mit ihren ätherischen Ölen unsere Sinne. Madlen Neubauer von der Biogärtnerei Neubauer in Erlen TG verrät, warum sie diese mediterranen Kräuter so schätzt, und plädiert zudem für mehr Offenheit gegenüber anderen Kulturen.

Von Carmen Hocker
«Kräuter aus dem Mittelmeerraum berühren unser Herz und öffnen unsere Sinne», beschreibt Kräuterfachfrau Madlen Neubauer die Wirkung von Lavendel und anderen aromatischen Pflanzen aus dem Süden. Wir Schweizer seien eher reserviert und rational. Deshalb täte es uns gut, uns von den ätherischen Ölen dieser mediterranen Kräuter bezaubern zu lassen.

Harmonisches Zusammenspiel
Zudem sind sie beliebte Pflanzpartner, da sie sich harmonisch in unsere heimische Flora einfügen. Blätter und Blüten von Lavendel und Thymian sind so dezent und oft feingliedrig, dass sie niemandem die Schau stehlen. Sie bereichern durch ihre Aromen auch einheimische Pflanzenkompositionen. Im Sommer duften die ursprünglichen Südländer über viele Monate und stillen unser Fernweh. Madlen Neubauer sieht in ihnen sogar ein Sinnbild für unsere Gesellschaft: «Ihre Düfte fördern unsere Sinnlichkeit, machen uns offen für die Welt und zeigen, wie bereichernd es sein kann, mit anderen Kulturen zusammenzuleben.»

Insektenmagnet Lavendel 
Lavendel vereint gleich mehrere interessante Aspekte in sich. Die Optik, eine kühle Farbkombination aus Grau und leuchtendem Blau, kontrastiert mit der Wärme der ätherischen Öle. Seine anziehende Wirkung auf Insekten führt dazu, dass brummende Besucher zur Hochblüte ein Konzert geben. «Beeindruckend finde ich, wie lange sich der Lavendelduft konservieren lässt.» Das richtige Mass zu finden, sei dagegen eine Gratwanderung. Sie selbst nimmt Lavendel am liebsten über Nase und Augen wahr. Ein Gaumengenuss sei die Staude für sie nicht. Zu parfümiert sei sein Aroma. Fasziniert ist Madlen Neubauer indes von der Vielfalt dieser Pflanze, von der allerdings nur der Echte Lavendel verlässlich winterhart ist. Darum empfiehlt es sich, die anderen Arten im Topf zu ziehen. Denn sie müssen geschützt, bei rund 10 Grad, überwintert werden.

Staunässe vermeiden
Bei der Zucht von mediterranen Kräutern legt man in der Gärtnerei Neubauer Wert auf Duft und Aussehen. Gleichzeitig müssen die Pflanzen robust sein und mit den hiesigen Gegebenheiten in Bezug auf Licht, Boden und Wasser zurechtkommen. Der mittlerweile weit verbreitete, dekorative Schopflavendel schied aus, weil er, im Gegensatz zu den anderen Arten, leicht sauren und kalkarmen Boden liebt. Die angebotenen Lavendel-Pflanzen gedeihen in der gleichen Erde wie die Thymiane. Bei Verwendung als Kübelpflanze ist die Basis ein Kräutersubstrat, ergänzt mit Sand, LavaBims oder feinem Kies, damit die Erde durchlässig ist. Staunässe – oder nasse Füsse im Topfuntersetzer – vertragen beide nicht.

Winterharter Thymian
Auch Thymian steht nicht gern im Wasser. An einem kiesigen Wegrand fühlt er sich dagegen wohl. Anders als Lavendel, gibt er im blossen Vorbeilaufen sein Geheimnis jedoch nicht preis. Erst bei Berührung verströmt er balsamische Düfte. Obwohl Madlen Neubauer den Duft mit Erkältungskrankheiten aus ihrer Kindheit verbindet, hat sie ihm gegenüber keine Abneigung entwickelt. Im Gegenteil. Thymian ist für sie eine kraftvolle Heilpflanze, von der schon die Römer wussten. Überliefert ist, dass im Vorgarten der Frauengemächer Rosen und Thymian wuchsen, weil man um seine antiseptische Wirkung bei Frauenleiden wusste. Optisch unterscheiden sich die Thymiane nur leicht. So wächst der Französische Bergthymian zu einer kompakten Kugel heran, während der Kaskadenthymian lange Ranken bildet. Pflanzt man mehrere Arten, zieht sich die Blütezeit gestaffelt über viele Monate. Alle erwähnten Thymiane sind winterhart und für den Garten geeignet. Sie können aber auch als Kübelpflanze kultiviert werden.

Gewiss ist, dass mediterrane Kräuter dazu beitragen, dass der Mensch sich in ihrer Nähe wohlfühlt. «Grund genug, sich Neuem gegenüber zu öffnen und mit allen Sinnen zu geniessen», findet Madlen Neubauer.

 

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Madlen Neubauer weiss, was diese zehn Kräuter besonders macht und wie man sie hegt und pflegt.
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Kanarischer Lavendel Lavandula pinnata
Blütezeit: Juni bis Oktober  |  Blütenfarbe: Azurblau  |  Höhe: 50 bis 70 cm
«Er hat unter den hier vorgestellten Lavendelarten den höchsten Zierwert. Der Kanarische Lavendel blüht schon ganz früh und den ganzen Sommer über. Dafür haben weder seine Blätter noch seine Blüten den typischen Lavendelduft, weshalb er sich nicht so gut für die Verwendung in der Küche eignet. Da er wärmeliebend ist, sollte man ihn nicht vor April ins Freie stellen. Der gut verzweigte Kleinstrauch besticht durch die kräftig violettfarbenen, langstieligen Blüten und die gefiederten, farnähnlichen, graugrünen Blätter. Obwohl seine Blütenähren an Schopf-lavendel Lavandula stoechas erinnern, ist der Kanarische Lavendel einfacher zu überwintern.»

Zahnlavendel Lavandula dentata 
Blütezeit: Juni bis August  |  Blütenfarbe: Hellviolett |  Höhe: 60 bis 70 cm
«Seine Gestalt wirkt imposant. Er ist buschig und hat relativ grosse, gezahnte Blätter. Da er sehr wüchsig ist, kann er innerhalb eines Sommers gross werden. Im Gegensatz zu anderen Lavendelarten ist er von oben bis unten dicht belaubt. Das Blattwerk ist aber nicht nur üppig, sondern auch sehr aromatisch. Die hellen, fast grauen Blüten erscheinen spät und sind weniger eindrücklich. Für mich ist der Zahnlavendel vor allem eine Strukturpflanze, ein schöner, graulaubiger, stark duftender Busch. Sein getrocknetes Laub verwende ich sehr gerne zum Räuchern.»

Französischer Berg-Thymian Thymus ‘Garrigues’
Blütezeit: Mai bis Juni  |  Blütenfarbe: Rosa  |  Höhe: 30 cm
«Eine Mitarbeiterin, die regelmässig nach Südfrankreich reist, hat uns diesen Thymian mitgebracht. Dank seiner kompakten, kugeligen Wuchsform kann er als Beeteinfassung oder Strukturpflanze verwendet werden. Die Garrigue ist eine sehr karge Landschaft, in der sich nur genügsame, sonnenverträgliche Gewächse dauerhaft ansiedeln.»

Grüner Zahnlavendel Lavandula dentata var. candicans 
Blütezeit: Juni bis  September  |  Blütenfarbe: Hellviolett |  Höhe: 80 cm
«Sein Name ist Programm. Seine gezahnten Blätter sind grüner als von Lavandula dentata und verströmen beim Reiben einen harzig-frischen Duft. Seine Blüten haben ein helles Violett. Durch diesen Farbkontrast wirkt er besonders interessant. Da ich für heilpflanzliche Anwendungen lieber den Echten Lavendel verwende, lasse ich den Grünen Zahnlavendel voll aufblühen, auch für die Insekten. Dank seines kompakten Wuchses wirkt er wie ein kleiner Strauch.»

Zitronen-Thymian Thymus x citriodorus ‘Lemon’
Blütezeit: Juni bis Juli  |  Blütenfarbe: Hellrosa  |  Höhe: 20 bis 30 cm
«In der Küche gibt er Fischgerichten und Gemüseeintöpfen eine würzige Note und erfrischt den Gaumen. Er ist wohl der meistgebrauchte Thymian für die Teezubereitung. Seine Vitalität und sein robustes Wachstum sorgen für zuverlässige Ernten. Er eignet sich auch gut zum Trocknen, für Kräutermischungen.»

Echter Lavendel Lavandula angustifolia ‘Hidcote Blue’
Blütezeit: Juni bis Juli  |  Blütenfarbe: Dunkelviolett  |  Höhe: 30 bis 40 cm
«Die Vertreter des Echten Lavendels verwende ich aufgrund ihres intensiven Aromas gerne zum Räuchern, für Duftsäckchen und Bäder. Eine winterharte Sorte mit dunkelblauen Blüten, deren Farbe auch nach dem Trocknen gut erhalten bleibt. Dank seines kompakten Wuchses ist er als Einfassungspflanze geeignet. Die duftenden Blüten locken Bienen und Schmetterlinge an und sind eine wertvolle Nektarquelle. Eine historische Sorte, die Lawrence Johnston, Schöpfer des berühmten Gartens Hidcote Manor, um 1920 aus Frankreich in seine britische Heimat mitnahm.»

Quendel Thymus pulegoides 
Blütezeit: Juni bis August  |  Blütenfarbe: Rosa  |  Höhe: 20 cm
«Wie alle Thymianarten ist der einheimische Quendel wunderbar für Insekten. Seine purpurvioletten Blüten werden von Bienen jeglicher Art liebend gerne besucht. Fühlt er sich wohl, ist er so wuchsfreudig, dass man viel ernten kann: zum Räuchern und für Tee. Im Alpenraum breitet er sich auf kalkarmen Böden wie ein Teppich aus.»

Kaskaden-Thymian Thymus longicaulis ssp. odoratus
Blütezeit: Juni bis Juli  |  Blütenfarbe: Rosa  |  Höhe: 10 bis 15 cm
«An ihm liebe ich die langen Ranken und seine frühen Blüten im April. Wenn sie sich öffnen, ist das für mich ein Lichtblick im Frühling. Aufgrund seines hängenden Wuchses eignet sich der Kaskaden-Thymian gut für eine Ampel. Zusammen mit einem kriechenden Rosmarin und einem ausladenden Oregano wird die Ampel zum duftenden hängenden Kräutergärtchen. Im Beet breitet er sich rasch aus und kriecht auch gerne über Mauern. Wenn man ihn erntet, blüht er wieder etwas nach.»

Duft-Thymian Thymus odoratissimus 
Blütezeit: Juni bis August  |  Blütenfarbe: Rosa  |  Höhe: 15 cm
«Die zarten Blüten dieses niedrig wachsenden Thymians wirken besonders zierlich. Eine leichte Berührung im Vorbeigehen reicht aus, um eine kleine Duftwolke freizusetzen. Sein Wuchs ist aufrecht und kompakt. Er eignet sich sowohl für die Verwendung in der Küche als auch für ein Duftkräuterbeet.»

Lavendel-Thymian Thymus thracicus 
Blütezeit: Juni bis Juli  |  Blütenfarbe: Hellrosa  |  Höhe: 20 cm
«Sein Wuchs ist kompakt, er hat eher dicke, dunkelgrüne Blätter, deren harziges Aroma zwischen Rosmarin und Lavendel liegt. Wie der Bergthymian zählt er zu den Kleinsträuchern. Seine Blütezeit ist kürzer als die anderer Arten und nicht so üppig. Er eignet sich sowohl als Teepflanze wie auch als aromatisches Küchenkraut. Da er nur bedingt winterhart ist, empfiehlt sich die Kultur als Topfpflanze.»

 

Pflege und Überwinterung

Lavendel nach der Blüte zurückschneiden, damit die Pflanzen neue Knospen fürs nächste Jahr bilden können. Darauf achten, immer ein Stück vom neuen Trieb stehen zu lassen, um für ein buschiges Wachstum zu sorgen. Schneidet man zu tief zurück, wird das Holz immer knorriger und kann aus-einanderbrechen. Die genannten Lavendelarten – mit Ausnahme des Echten Lavendels der Sorte ‘Hidcote Blue’ – müssen frostfrei bei rund 10 Grad überwintert werden. Dazu eignen sich Räume wie Garagen, Keller oder ein unbeheiztes Treppenhaus.

Beim Thymian ist es am besten, nur die Triebspitzen zu verwenden, damit die Pflanzen wieder gut nachwachsen und eine zweite Blüte hervorbringen. Im Gegensatz zu den erwähnten Lavendelarten sind die Thymiane dieses Angebots alle winterhart.