Nostalgischer Flieder

Einst schmückte er Fürstenhöfe, dann Bauerngärten und schliesslich kaum mehr eine Rabatte. Jetzt wird der Flieder wieder entdeckt.  Bernd Dittrich hat sieben Sorten zum Bestellen ausgewählt.

flieder_01.jpg

Von Ute Studer
Die Duftsträucher sind durch ihre reiche Blütenpracht eine Augenweide und verwöhnen unsere Nase mit Wohlgerüchen. Ihre feinen Aromen verleihen einem Garten besonderen Reiz und Sinnlichkeit. Mehr noch: Düfte wirken positiv auf unsere Psyche. Wer einmal dem Zauber der duftenden Gehölze erlegen ist, wird ihnen immer wieder nachspüren und sie in die Gartengestaltung miteinbeziehen.

Doch sollte man umsichtig vorgehen, damit sich nicht zu viele Gerüche miteinander vermischen. Sehr intensiv duftende Pflanzen entfalten oft, als Solitär gepflanzt, ganze Duftwolken und werden darum gerne von weniger geruchsintensiven Pflanzen umgeben. Duftsträucher locken zudem viele Insekten an wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge und tragen so zu intensivem Gartenleben bei.

Düfte von Dezember bis zum nächsten Herbst
Mit unserem Duftstrauchangebot kann man in Düften schwelgen von Dezember bis in den Herbst mit einem Aromenhöhepunkt im Mai und Juni.

Bereits im Dezember verströmt die aus China stammende Duftheckenkirsche Lonicera fragrantissima  mit cremeweissen Blüten ihr süssliches Jasminaroma. Späte und früh fliegende Bienen und Schmetterlinge finden bei ihr Nektar und die korallenroten Beeren, die ab April reifen, gelten als beliebtes Vogelfutter. Mit ihrem dichten Wuchs eignet sie sich gut für Hecken und verträgt auch einen Rückschnitt gut. Im Frühling ist dann Fliederzeit. Neben dem lilafarbigen, grossblumigen Flieder Syringa vulgaris gibt es eine reichhaltige Sorten- und Artenvielfalt. Der Zwerg-Duft-Flieder Syringa meyeri ‘Tinkerbelle’ eröffnet den Fliederreigen mit dunkelrosafarbigen Blüten schon im April und schliesst die Duftsaison mit einer Nachblüte im Herbst. Bereits Anfang Mai beginnt die Duftorgie mit dem Edelflieder ‘President Lincoln’, dessen lavendelblaue Blüten ein wahrer Blickfang sind. Mitte Mai folgen ‘Sarah Sands’ mit purpurfarbigen Blüten und die weisse ‘Mme Lemoine’. Eine der schönsten Fliedersorten ist die aus dem Jahr 1947 stammende zartrosa bis weiss blühende Sorte ‘Beauty of Moscow’, deren Blüten einen irisierenden Glanz besitzen. Ab Mai bis in den Juni blüht der Samtflieder Syringa patula ‘Miss Kim’ mit Blüten, die aussen lila und innen weiss sind. Er wird nur 1,5 m hoch und wächst auch gut im Kübel. Zierlich und sehr buschig bis 1,5 m hoch wächst der weisse, geschlitztblättrige Persische Flieder Syringa persica ‘Alba’, der bis in den Juli duftet.  Als weiteres Blütengehölz stimmt ab Juni der Gartenjasmin Philadelphus microphyllus in den Duftreigen ein mit cremeweissen, gefüllten Blüten, die nach Ananas riechen.

Wenn der weisse Flieder wieder blüht, sing’ ich dir mein schönstes Liebeslied …
Dieser klassische deutsche Schlager aus den 20er-Jahren drückt die Bedeutung des Flieders in der Blumensprache aus. Flieder ist der Frühlingsduft, das Symbol des Beginns einer neuen Liebe. Es war auch der Fliederstrauch Syringa vulgaris, der der Spezialitätengärtnerei von Bernd Dittrich den Namen gegeben hat, denn die Düfte hatten es dem Biologen schon seit den 80er-Jahren angetan. Zu verdanken haben wir den Flieder in unseren Breiten dem gleichen Mann, der uns auch die Tulpen brachte, dem kaiserlichen Gesandten Ogier Ghislain de Busbecq, der die in Südostasien und Vorderasien verbreitete violett blühende Duftpflanze des Gemeinen Flieders Syringa vulgaris 1560 nach Wien brachte. Von dort wanderte der Flieder zunächst an die Fürstenhöfe und dann schliesslich weiter in die Bauerngärten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden viele Hybriden von Syringa vulgaris, die eine Fülle von neuen Farben hervorbrachten. Hervorzuheben ist die französische Baumschule Lemoine in Nancy, die dem durch Kreuzung entstandenen Edelflieder mit enormer Sortenvielfalt endgültig zum Durchbruch als gartenwürdige Pflanze verhalf. Lange Zeit führte der Flieder eher ein Schattendasein in den Gärten, denn er galt als etwas altbacken und antiquiert. Die Zucht neuer Sorten und auch von kleinwüchsigem Flieder für kleine Gärten und grosse Töpfe sorgte für ein Fliederrevival. Die wieder aufgeblühte Fliederliebe ist vor allem auf die verbesserten Eigenschaften zurückzuführen.

Flieder im Herbst pflanzen
Die beste Pflanzzeit für die Duft- gehölze ist der Herbst, da sie dann vor dem Austrieb im Frühling gut eingewurzelt sind. In den ersten Wochen sollte eine gute Wasserversorgung gewährleistet sein. Für Flieder ist ein vollsonniger Standort zu wählen, Schatten mag er nicht. Gartenjasmin und die Dufthecken- kirsche wachsen auch noch im Halbschatten, blühen aber in der Sonne üppiger. Flieder wächst am besten auf nährstoffreichem, humosem Boden, kommt aber auch mit ungünstigem Boden zurecht. Im Frühjahr gibt man eine Schicht Reifekompost.

Flieder schneiden
Flieder ist in der Pflege recht unkompliziert. Da Flieder seine Blütenknospen bereits im Vorjahr bildet, sollte man kleine Schnittkorrekturen direkt nach der Blüte vornehmen. Man schneidet alle verblühten Rispen über zwei gut ausgebildeten Seitenknospen ab. Auch Abgestorbenes wird entfernt. Wenn man alte Sträucher im Sommer stark verjüngt, blühen sie im Folgejahr nicht.

Flieder für die Vase 
Halbgeöffnete Blütenrispen am Morgen schneiden. Sämtliche Blätter entfernen. Stiele mit scharfem Messer anschneiden und längs spalten. Man kann sie auch kurz in heisses Wasser tauchen, dann nehmen sie mehr Wasser auf.

–––––––––--––––––––––––––––––––––––––

Was beim Kauf von Flieder zu beachten ist

Die Edelflieder wurden früher vor allem durch Veredlung auf Wurzeln des Gewöhnlichen Flieders vermehrt. Diese neigen aber zur Bildung wilder Schösslinge. Heute zieht man Edelflieder durch wurzelechte Stecklinge oder Meristemvermehrung im Labor. Wurzelechte Edelsorten bilden nur wenige Ausläufer und diese sind sortenecht. Daher sollte man beim Kauf auf wurzelechte Sorten achten.

–––––––––--––––––––––––––––––––––––––

Leserangebot: Flieder, Heckenkirsche, Pfeifenstrauch
flieder_02.jpg

Bernd Dittrich von der Duftpflanzen- und Kräuter-Gärtnerei Syringa hat für unsere Leserinnen und Leser sieben Flieder, einen Pfeifenstrauch und eine Heckenkirsche in Eurobio-Qualität zum Bestellen ausgewählt.
Im Bioterra-Shop bestellen

Syringa vulgaris ‘Sarah Sands’
Blüte: Einfache, dunkelpurpurfarbige Blüten mit hellerem Blütenrand
Duft: Starker Fliederduft
Blütezeit: Mitte Mai
Wuchs: Mittelstark, 2,5 bis 4 m hoch, strauchig aufrecht

Syringa vulgaris ‘President Lincoln’
Blüte: Einfache Blüten, in der Knospe lilarosa, im Aufblühen lavendelblau.
Duft: Starker Fliederduft
Blütezeit: Anfang Mai
Wuchs: Mittelstark, Buschig, 2,5 bis 3 m hoch

Syringa patula ‘Miss Kim’
Blüte: Dunkelviolette Blütenknospen, im Aufblühen weisslila
Blatt: Grünes Laub, das sich im Herbst rötlich verfärbt
Duft: Unbeschreiblich exotisch, weit-reichend, kräftig
Blütezeit: Anfang bis Mitte Juni
Wuchs: Schwach wachsend, kompakt, buschig, 1,5 bis 2 m hoch, 1,5 bis 2 m breit

Syringa vulgaris ‘Beauty of Moscow’
Blüte: Dicht gefüllte Blüten, in der Knospe rosa, im Aufblühen zartrosa bis cremeweiss
Duft: Angenehmer Fliederduft
Blütezeit: Mai bis Juni
Wuchs: Grossstrauch, anfangs aufrecht, später ausladend und mehrstämmig, 4 bis 6 m hoch und 2 bis 3 m breit

Syringa meyeri ‘Tinkerbelle’
Blüte: Weinrote Knospen, im Aufblühen dunkelrosafarbig
Blatt: Limonenfarbig, kleinblättrig
Duft: Orientalischer Duft
Blütezeit: Mai bis Juni, Nachblüte im Herbst
Wuchs: Zwergflieder, 1,5 bis 2 m hoch,
1,25 m breit, für Kübel geeignet

Syringa vulgaris ‘Mme Lemoine’
Blüte: Gefüllte weisse Blüten
Duft: Der am stärksten duftende Flieder überhaupt
Blütezeit: Mitte Mai bis Anfang Juni
Wuchs: Mittelstarker, aufrechter Wuchs, 3 bis 4,5 m hoch

Syringa persicaria ‘Alba’
Blüte: Einfach, weiss
Blatt: Fein geschlitztes Blatt
Duft: Betörender Duft
Blütezeit: Mai bis Juni
Wuchs: Schwachwüchsig, filigran, zur Blütezeit bogig überhängend, bis 1,5 m hoch

Lonicera fragrantissima
Blüte: Cremeweiss, danach rote Beeren, Bienenweide und Vogelfutter
Duft: Stark, süss duftend
Blütezeit: Dezember bis März
Wuchs: Strauchartig, bis 3 m hoch, wintergrün

Philadelphus virginalis
Blüte: Weiss gefüllt, Insektenfutterpflanze
Duft: Orangenblütenartiger Duft
Blütezeit: Mai bis Juni
Wuchs: Aufrecht buschig, 2 bis 2,5 m hoch, 2 bis 3 m breit

Im Bioterra-Shop bestellen

flieder_03.jpg