Mischkulturen planen und frisches Wintergemüse

susi_bioterra_bekabitterli_janfeb_6.jpgVon Brigitte Bosshard

Von Weitem wirkt Susi Burgermeisters Garten nicht aussergewöhnlich: üppiges Grün, mit bunten Blüten durchsetzt, zwei alte Obstbäume und im Hintergrund ein altes Bauernhaus. Beim Näherkommen entdeckt man jedoch, halb versteckt hinter wuchernden Blättern, eine skurrile Eisenfigur, dann folgt eine zweite und schliesslich eine dritte. Bei genauerem Betrachten entpuppen sich deren Einzelteile als verrostete Werkzeuge, Töpfe, Besteck, landwirtschaftliche Maschinenteile, die mit handwerklichem Geschick und Witz zu Vögeln gebogen und zusammengeschweisst worden sind. Der Vater dieser schrägen Vögel ist der Ehemann der Biogärtnerin. Susi Burgermeister wiederum hat sich als Bioterra-Kursleiterin einen Namen gemacht. Aufgewachsen auf einem Bauernhof mit einer begnadeten Biogärtnerin als Mutter, entwickelte auch sie sich zur flinken Gartenfrau. Trotz Bepflanzung unzähliger Schalen, Kistchen und Töpfen mit Gemüse, Kräutern und Blumen ist ihr Garten für die Selbstversorgung zu klein geworden. Doch gute Nachbarschaft machte es möglich: Susi Burgermeister darf einen Teil vom nachbarlichen Gelände zur Bewirtschaftung nutzen. Jetzt umfasst ihr Garten eine Fläche von etwa 200 m2.

Die Gärtnerin sitzt am Stubentisch an der behaglichen Wärme, die der Kachelofen abstrahlt, während draussen klirrende Kälte herrscht. Von hier aus lässt sich der winterliche Garten bestens überblicken, das und erleichtert ihr die Planung des kommenden Gartenjahres. Dank der alten Gartenpläne weiss sie, was wo in der letzten Saison gewachsen ist. Das ist wichtig, denn kein Beet sollte innerhalb von vier Jahren mit derselben Gemüsefamilie bepflanzt werden. Sie achtet bewusst auf die Fruchtfolge und eine gute Bodenpflege. Gedüngt wird mit Kompost, Schafwolle, Gründüngungen und Mulch. Inspiriert von Eveline Duddas und Klaus Laitenbergers Buch «Spriessbürger», will sie dieses Jahr Gras-Silage ausprobieren.  Diese ist nicht nur reiner Nährstoff, sondern erhöht auch die Bodenaktivität und Bodenfruchtbarkeit.

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Gemüse in Mischkultur

Sämtliche Gemüse ausser Tomaten, die nur alle fünf bis sechs Jahre ihren Platz wechseln, baut sie in Mischkultur an. Auf dem Beet, auf dem im letzten Jahr Sellerie und Lauch wuchsen, pflanzt sie dieses Jahr Frühkartoffeln an. Diese sind dann schon geerntet, wenn die Infektion mit Krautfäule einsetzt und auf die benachbarten Tomaten überzugreifen droht. Nach den Frühkartoffeln folgen verschiedene Herbst- und Wintersalate wie Zuckerhut, ‘Castelfranco’, ‘Palla rossa’ und Endivie. Wo im vergangenen Jahr Pastinaken, Randen und Peperoni wuchsen, werden diesen Frühling Kohlrabi, Salat und Buschbohnen spriessen. An den beiden Aussenreihen des Beetes sollen verschiedene Frühlingssalate und in der Mitte weisse und blaue Kohlrabi gesetzt werden. Zwischen Salat und Kohlrabi sät Susi Burgermeister Phacelia als Gründüngung, bevor sie im Mai Buschbohnen stupft. Die Gründüngung schneidet sie ab oder reisst sie aus und lässt sie als Mulch liegen. Gedeiht alles wie gewünscht, werden zuerst die ver-schiedenen Salate geerntet, die den auflaufenden Buschbohnen Platz machen. Die Kohlrabi in der Beetmitte gedeihen bestens in der Nachbarschaft von Buschbohnen. Nach deren Ernte werden ihre Stauden bodeneben abgeschnitten, die Wurzeln bleiben im Boden und nähren nachfolgende Kulturen. Die Stauden lässt die Gärtnerin, kurz geschnitten oder gehäckselt, als Mulch liegen. Anfang August setzt sie auf beiden Seiten, 30 cm vom Beetrand entfernt, Blumenkohl und Brokkoli. In der Beetmitte löst Winterlauch ab Mitte Juli die Kohlrabi ab. (Mischkulturschieber von Bioterra zu bestellen unter: www.bioterra.ch/shop.)

Wintergemüse vom Beet

Dank kluger Planung kann Susi Burgermeister auch im Winter stets Gemüse aus ihrem Garten ernten. In der kalten Jahreszeit ist es wichtig, den täglichen Bedarf an Vitaminen
mit frischem Gemüse zu decken. Nüsslisalat aus dem eigenen Garten ist besonders «chüschtig». Bestimmt gibt es auch noch Zuckerhut und ‘Castelfranco’. Feder- und Rosenkohl, Wirz und Winterlauch enthalten alle wichtigen Vitamine und reichlich Mineralsalze. Roh oder auf verschiedene Arten gekocht, sind sie gesund und schmackhaft. Denn sie munden genauso,
wie sie ernährt wurden: bestens. Rosenkohl aus biologischem Anbau hat keinen ordinären Bei-geschmack und riecht auch nicht unangenehm beim Kochen. Lässt man den Strunk stehen, nachdem die Röschen bereits gegessen sind, spriessen im Frühling zarte Triebe, die Susi Burgermeister erntet, kurz bevor sie blühen. Selbst die Blüten kann man essen.

Spätsorten von Rosen-, Federkohl, Wirz und Lauch sind winterhart und können bei frostfreiem Wetter den ganzen Winter über frisch geerntet werden. Da Pastinaken nach der Ernte rasch Feuchtigkeit verlieren und schrumpelig werden, über-wintern sie in Susi Burgermeisters Garten auf dem Beet und werden nach Bedarf bei frostfreiem Wetter ausgegraben.

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Gemüsegarten – Erste Aussaaten im Februar

Susi Burgermeister empfiehlt:

Aubergine,‘Rotonda Bianca Sfumata’
Wüchsige Sorte mit runden, hellen zu rosa über- laufenden Früchten, festes Fruchtfleisch mit wenig Samen, Saat: Februar an warmem Ort im Haus. www.sativa-rheinau.ch

Puffbohnen, Dicke Bohne
Reich tragende Sorte mit beigem Korn, Saat: Februar bis März, *50 x 10 cm. www.zollinger-samen.ch

Kohlrabi, ‘Trero’
Frühe, zarte, weisse Sorte, Saat: Februar bis März im ungeheizten Treibkasten, Setzlinge: im März/April ins Freiland unter Vlies *30 x 30 cm, in Mischkultur mit Salat. www.sativa-rheinau.ch

Rüebli, ‘China robust Selektion Z’
Süsses, knackiges Frühlingsrüebli, kurz, ca. 15 cm, auch für wenig tiefgründige Böden geeignet, Saat: März bis Anfang Juli. www.zollinger-samen.ch

Asiasalat, Mischung
Von feinwürzig bis scharf, kann mehrmals geerntet werden, Saat: März in Töpfe, ab April ins Freiland. www.sativa-rheinau.ch

Frühkartoffeln, ‘Acht-Wochen-Nüdeli’
Bis zu 15 cm lange Nüdeli, die schmackhafte Sorte reift bei günstigen Bedingungen innerhalb von acht Wochen. www.prospecierara.ch

*Masse: Reihenabstand und Abstand in der Reihe.

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suppe_200.jpgKöstliche Suppe – Sauerkraut mit Kartoffeln

Sauerkraut ist ein Powerkraut! Eine Sauerkrautsuppe sorgt für Abwechslung: Dafür 200 g rohes Sauerkraut in ein Sieb geben, mit kaltem Wasser abspülen und gut abtropfen lassen. 1 Zwiebel hacken. Beides in Öl andünsten und mit 7 dl Bouillon ablöschen. 2 Kartoffeln in Würfel schneiden und beigeben. Suppe zugedeckt ca. 30 Minuten kochen, bis die Kartoffeln weich sind. 4 Esslöffel Sauerkraut und Kartoffeln herausnehmen und in Suppenschalen verteilen. Suppe mit Mixer pürieren, mit Salz, Pfeffer und Kümmel abschmecken. 1 dl Rahm steif schlagen und die Hälfte daruntermischen. Suppe anrichten, mit dem restlichen Rahm garnieren.

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susi_bioterra_bekabitterli_janfeb_2.jpgIm Winterquartier – Zitrusbäumchen und Südpflanzen

Duftgeranien, Zitrusbäumchen, Lorbeer, Verveine, Agapanthus, Fuchsien und Kakteen: Wohin damit im Winter? Die Treppe des Kellerabgangs ist dafür ein geeigneter Ort, kühl, frostfrei und genügend hell. Zuunterst stehen die grossen Topfpflanzen, auf der Treppe verteilt die schon im Spätherbst auf einen Drittel zurückgeschnittenen Duftgeranien, Verveine, Fuchsien und Fruchtsalbei. Den Kellerabgang deckt Susi mit Doppelstegplatten, und wenn es eisig kalt wird, zusätzlich mit einem doppelten Kompostvlies und lässt die Kellertür einen Spalt offen.

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susi_bioterra_bekabitterli_janfeb_15.jpgWinterpostelein

Gelingt es, Winterportulak im Garten zu kultivieren (die Samen keimen bei einer Temperatur unter 12 °C) und lässt man ihn dann im kommenden Frühling in Blüte gehen und versamen, keimt er im Herbst wieder und sorgt für eine neue Ernte. Susi Burgermeister pikiert die jungen Pflänzchen in ein Kistchen. So hat sie den ganzen Winter über frisches Grün. Aus den zarten Stielen, Blättern und Blüten wird mit rassigem Dressing ein feiner Salat. Ältere Blätter können wie Spinat blanchiert werden.

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Fotos: Beka Bitterli, Illustrationen: Anna-Lea Guarisco