Cornels Balkongarten

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Mein Haustier, der Wurm

Cornel Rüegg, Autor des Buches «Veranda Junkies», erklärt seine Begeisterung für den Kompostwurm und warum es sich lohnt, diesen als Haustier zu halten. Sein Plädoyer ist Auftakt einer neuen Serie, in der Cornel Rüegg seine Erfahrung als leidenschaftlicher Balkongärtner weitergibt.

Von Cornel Rüegg

Zu einer Annäherung an den Kompostwurm verhalf vielleicht schon Charles Darwin, der gegen Ende seines Lebens jahrelang die Regenwürmer erforschte. Sein Werk «Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer» war enorm wichtig und das Ansehen der Viecher wuchs nach dieser Publikation, zumal die Regenwürmer offenbar bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Schädlinge gegolten hatten. In der «Encyclopaedia of Gardening» wurde 1822 gar geraten, die Würmer nach dem Umgraben einzusammeln. Darwin hingegen kam unter anderem zur Erkenntnis, dass die Würmer eine sehr wichtige Rolle im Haushalt der Natur spielen und die obersten zehn Zentimeter Humus von jeder Wiese und von jedem Acker unzählige Male den Darm der Würmer passierte. 

Ihrer Aufgabe, dem Abbau organischen Materials und dessen Umwandlung in Humus, können die Kompostwürmer aber auch in einem Wurmkomposter, auch Wurmfarm genannt, nachgehen. Die Rede ist von einem Containersystem, das man bei sich zu Hause aufstellt. Es hat die Grösse von zwei Bananenschachteln, ist rund oder eckig und besteht aus einzelnen Etagen, in welchen die Würmer leben. In die oberste Etage legt man die pflanzlichen Abfälle aus dem Haushalt und die Würmer machen sich an ihre Arbeit: ans Fressen, Verdauen und Ausscheiden. Dies sind – wie man sich gut vorstellen kann – sehr gemächliche Vorgänge. Nach ein paar Monaten ist es aber so weit, und in der untersten Etage liegt ein nährstoffreicher hausgemachter Humus bereit. Die Würmer fressen sich übrigens von unten nach oben durch dieses Etagensystem, Löcher in den Zwischenböden ermöglichen die Wanderung. Es entsteht zudem eine geruchlose Flüssigkeit – ein wertvoller Pflanzendünger, der in Flaschen abgefüllt werden kann. Pflege oder zusätzlicher Aufwand ist ansonsten nicht nötig. 

Christine ist eine der porträtierten Balkongärtnerinnen im Buch «Veranda Junkies»*. Die Unternehmerin wohnt in einer modernen Wohnung mit Sicht über den Zürichsee. Sie kocht vegan und geht mit ihren Rüstabfällen regelmässig in den Keller, wo ihre Wurmfarm steht. Sie erzählt, dass sie die Würmer bereits als Kind fasziniert hatten und sie ihr Anblick überhaupt nicht grusle. Das Gruseln ist möglicherweise das einzige Hindernis, die Tierchen zu halten. Dabei sieht man sie kaum. Wie ihre Artgenossen im Garten sind sie lichtscheu und malochen unterhalb der Oberfläche respektive der Grün-abfälle vor sich hin. Ein entspanntes Verhältnis zu Würmern vorausgesetzt, kann mit dem Wurmkomposter ein Beitrag zur Nachhaltigkeit im eigenen Haushalt geleistet werden. Rüstabfälle landen nicht mehr im Kehricht, sondern werden emissionsfrei zu nährstoffreichem Humus, der in den eigenen Pflanzentöpfen als Kompostdünger verwendet werden kann. WormUp, eine junge Startup-Firma in Zürich, hat sich zum Ziel gesetzt, Stadtbewohnerinnen und -bewohner zu Wurmfarmern zu machen. Den innovativen Gründern zufolge wird ihr System sogar einen Platz in der Wohnung finden, vor allem auch in urbanen Lebensformen mit beschränktem Platz. «Wir wollen die Wurmkompostierung salonfähig machen», sagt Nikolai Räber, einer der WormUp-Gründer. Er wünscht sich, dass das System zu einem Bestandteil jeder Wohnung wird, vergleichbar mit dem heutigen Recycling von Papier, Glas und weiteren Materialien. Auch für Unternehmen, Mehrfamilienhäuser oder ganze Siedlungen bietet WormUp individuelle Lösungen an. Ab Frühling 2016 werden ihre Systeme auf den Markt kommen. Noch etwas fügt Räber an, das jeden Balkongärtner aufhorchen lässt: Mit Wurmkompost gedüngte Pflanzen würden bis zu 80% weniger mit Läusen befallen im Vergleich zur Anwendung mit Kunstdünger.

 

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Tomaten 

Ab März geht’s los!

Tomaten sind – was den Nachwuchs betrifft – eigentlich hart im Nehmen. 

6 bis 8 Wochen vor den Eisheiligen stecke ich zwei bis drei Samen pro Topf 2 cm unter die Oberfläche und giesse regelmässig. Ich ver-wende Bio-Pflanzenerde, damit die Setzlinge langsam und kräftig wachsen. Dieses Jahr versuche ich mein Glück mit Pink Berkeley Tie Dye’. Ein cooler Name für ein Farb- und Aromawunder mittlerer Grösse, das auf dem Balkon gut gedeiht, sagt zumindest ein befreundetes Paar. Totem’ heisst die zweite Sorte, eine süsse, aromatische Tomate, die schon im Frühsommer mit ersten Früchtchen lockt. Die dritte ist ein Chamäleon namens Indigo Rose’. Die Cocktailtomate wechselt ihre Farben von Rot über Blauviolett in beinahe Schwarz und auch durch ihre dunkleren Blätter unterscheidet sie sich von anderen Tomaten. Merkblatt Tomaten: bioterra.ch./shop>Merkblätter.
Bezugsquelle für die Sorten ‚Totem’ und ‚Indigo Rose’: saemereien.ch.

 

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Küchenkräuter

Winterharte Würze

Petersilie, Schnittlauch, Dill und einige andere Küchenkräuter sind winterhart. 

Auch im Pflanzentopf können Kräuter überwintern, sofern sie nicht in der Staunässe ersaufen oder infolge Nachlässigkeit austrocknen. Der Schnittlauch mag sogar frostige Minustemperaturen, damit er im Frühling wieder richtig in Stimmung kommt. Dennoch, die Pflanzen beenden irgendwann in den kalten Monaten ihr Wachstum, ab dann ist tote Hose in der Kräuterecke.  – Zuvor werde ich kurz kreativ, denn Petersilie und Schnittlauch – je ein Exemplar – nehme ich über Winter on board. Das heisst, ich topfe sie im Spätherbst um: Die Erde schüttle ich vom Wurzelstock, die Wurzeln werden gekürzt. Dann pflanze ich sie in einen anderen Topf mit frischem Komposthumus. Natürlich kriegen sie in der Küche einen sonnigen Platz auf dem Fenstersims. 

 

Topfgarten

Wässern im Winter

In meiner Anfängerzeit als Balkongärtner vernachlässigte ich das Wässern während der Wintermonate komplett.

Das hat sich geändert. Seit ein paar Wochen stehen die frostempfindlichen Pflanzen gruppiert in einer windgeschützten Ecke des Balkons. Die leeren Zwischenräume sind gefüllt mit Karton und die Gruppe ist mit einem Vlies so umwickelt, dass ich es für das Wässern abheben kann. Gefahr «Austrocknen»: Ich stecke in jede Pflanze einen Tonkegel mit Tropfbewässerung. Für eine minimale Wasserversorgung ist so gesorgt. 14-täglich nehme ich das Vlies weg und wässere, falls nötig, die Pflanzen. Gefahr «Zu viel Wasser»: Terracotta-Töpfe kann es bei Frost sprengen. Es darf also keine Staunässe entstehen, die übrigens auch den Pflanzen schadet. Deshalb Töpfe stets auf Füsschen stellen.

 

Fotos: Sebastian Magnani