Tafeltrauben für den Hausgarten

Trauben sind echte Sonnenanbeter. Darum spenden sie uns mit ihrem Blattwerk in Form einer Pergola herrlichen Schatten. Was es beim Pflanzen, Hegen und Pflegen zu beachten gilt und welche Traubensorte wofür geeignet ist, erklärt unser Gartenberater Jochen Elbs-Glatz.

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Alle Reben, Tafeltrauben, Keltertrauben und alle Wildarten der Gattung Vitis gehören zu den Lianen. Zwar sind sie nicht stark genug für Tarzans weite Schwünge durch den seltsam hallenartigen Dschungel der Filmstudios, haben aber einen sehr ökonomischen Weg zum Licht gefunden. Statt in jahre- und jahrzehntelangem Wachstum ein selbsttragendes, stabiles Gerüst aufzubauen wie die Bäume, klettern sie an diesen mit einer furchtbar dünnen Versorgungsleitung für Wasser und Nährstoffe nach oben. Mit kräftigen Ranken halten sie sich an allem fest, was nicht dicker als zwei Finger ist. Die grossen Blätter an den Reben und Geiztrieben nutzen das Sonnenlicht effektiv und bilden ein dichtes Blätterdach, das jede von unten nachwachsende Konkurrenz unterdrückt. Bei so viel Sonnengunst werden reichlich Assimilate für grosse Früchte mit schweren Samen gebildet. Grosse, süsse Früchte sind attraktiv für Mensch und Tier. Die Darmpassage von Letzteren fördert die Keimung der Samen. Der Rebe Verbreitung ist gesichert.

Die Rebkultur begann mit dem Sammeln und Trocknen von Trauben zu Rosinen. Trauben sind klein genug, um auch in weniger günstigen Klimaten unzerteilt getrocknet zu werden, und süss genug, dass sich das für den Kohlehydratvorrat auch lohnt. War es schön, für ein saftiges Traubengelage auf den Baum zu klettern, war es besser, wenn dabei noch ein beruhigender Vorrat zu gewinnen war. Die dritte Nutzung der Trauben als Wein ist gewiss so alt wie die beiden anderen, weil die die alkoholische Gärung auslösenden Hefen den Trauben natürlicherweise anhaften.

Die Geschichte des Weins ist so fakten- und anekdotenreich, dass viele Jahrgänge von «Bioterra» damit gefüllt werden könnten. Immerhin waren Reben so wichtig, dass sie in der Arche Noah über die grösste denkbare Katastrophe, die Sintflut, gerettet wurden. Gleich nach der Einsetzung des Regenbogens pflanzte Noah einen Weinberg. Brot und Wein als Leib und Blut Christi symbolisieren die wichtigsten Landesprodukte Getreide und Trauben. Das förderte den Rebbau auch in nicht besonders geeigneten Gebieten. Dagegen kamen Bier und Käse einfach nicht auf.

Noch die Römer liessen sich Trauben von ihren Sklaven von den Bäumen holen. Da hatten Äsop und Phaedrus leicht spotten über den Fuchs, dem die zu hoch hängenden Trauben zu sauer sind. Wo die Reben nicht mehr als Lianen in Bäumen wachsen, war der Mensch als Winzer erzieherisch schneidend am Werk. Dem Baum am nächsten kommen Pergola und Spalier. Von Pfahl und Stickel gestützte Reben breiten sich schon weit weniger aus. Nur ganz im Süden finden sich Erziehungsformen mit ganz kurzen Stöcken ohne Stütze.

Pfropfreben unterbinden Reblaus
Tafeltrauben zieht man in der Schweiz unter 600 m und versuchsweise darüber, am besten als Spalier. Sie nutzen Wärme und Sonneneinstrahlung und fühlen sich so richtig wohl, wo Aprikosen- und andere Steinobstspaliere und erst recht solche aus Kernobst am Zuviel eingehen. Die Pergola bringt auch schöne Trauben und ist als sommerlicher Schattenplatz ein Genuss. Stickelerziehung ist zu wählen, wenn auf wenig Platz viele verschiedene Traubensorten unterkommen sollen.

Der Boden sollte nicht zu schwer und nass sein. Staunässe nehmen Reben übel, mineralreichen, kiesigen Boden dagegen nicht. In den ersten Jahren und später, wenn grosse Früchte gewünscht werden, muss gut gewässert werden. Dünger brauchen Tafelreben kaum.

Seit 1860 die Reblaus eingeschleppt wurde und den Anbau wurzelechter Reben unmöglich machte, werden Reben auf reblausresistente Unterlagen veredelt. Nur Pfropfreben unterbinden den Lebenszyklus der Reblaus zuverlässig. Bitte keine Experimente mit Stecklingsreben, die das ganze Elend von Neuem heraufbeschwören.

Spalierreben sollten möglichst so schräg gepflanzt werden, dass der Topfballen ausserhalb der Dachtraufe zu liegen kommt. Im Freien setzt man die Reben senkrecht. Die Veredlungsstelle sollte mindestens 10 cm über der Bodenoberfläche stehen, damit die Edelrebe keine eigenen Wurzeln bilden kann. Beim Pflanzen wird möglichst viel Topferde ausgeschüttelt und mit dem Aushub vermischt. Die Wurzeln werden wenn nötig zurückgeschnitten. Dünger im Pflanzloch verbietet sich. Kräftiges Antreten an zwei Stellen gibt Halt, und Einschlämmen mit mindestens 10 l Wasser vertreibt alle Luftblasen aus dem Wurzelraum.

Traubenbeutel bieten Frassschutz
Nun wächst der Cordon heran, das heisst das alte Rebholz, auf dem jedes Jahr neu die Reben wachsen, an denen die Trauben reifen. Der Cordon sollte jährlich nicht mehr als 1 m verlängert werden. Etwas Geduld beim Aufbau des Gerüstes zahlt sich später in besserer Qualität der Trauben aus. Die Tragzapfen sitzen im Abstand von ca. 30 cm auf dem Cordon und werden im Winter auf einen Stumpf mit 2 Augen zurückgeschnitten. Viele beieinander stehenzulassen, schwächt die Reben. Die Reben tragen 2 oder 3 Gescheine, Rebenblüten, später Trauben. Taube Reben ohne Blüten bricht man am besten gleich weg. Das Wachstum der Reben ist oft rasant. Je nach Sorte können sie mehrere Meter lang werden. Dennoch sollten sie möglichst unbeschnitten bleiben, da jedes Blatt zur Ernährung der Trauben beiträgt. Es sind bis zu 16 Blätter für die optimale Traubenqualität nötig. Mehr schaden nicht. Statt sie abzuhauen, heftet man die Reben besser mit Rebringen aus Federstahl nach oben. Wichtiger für die Qualität der Tafeltrauben ist das Ausdünnen. Das fällt schwer, vermindert aber die gesamte Erntemenge meist nur wenig. Eine Traube pro Rebe hat sich bewährt.

Wählt man pilzresistente oder wenig anfällige Rebsorten aus, beschränkt sich der Pflanzenschutz auf die Abwehr weniger tierischer Schädlinge. Die Reblaus ist durch die Veredlung besiegt. Rebenpockenmilben, die die Rebblätter verkrüppeln lassen, bekämpft man mit Netzschwefel, der dann gleich den Schwefelbedarf der Reben deckt. Reife Trauben sind attraktiv für Vögel und Wespen. Mit feinmaschigen Traubenbeuteln werden sie samt der Kirschessigfliege
Drosophila suzukii von den Trauben ausgesperrt. Das gute alte Vogelnetz hat ausgedient und kann auch keinem Vogel mehr zum Verhängnis werden.

Erstes Kriterium bei der Auswahl von Traubensorten ist der eigene Geschmack. Was nützen der schönste Rebstock und die reichste Ernte, wenn sie einem als Chatzeseicherli widerwärtig sind? Der Foxton scheidet die Geister. Liebhaber geniessen Rosinen aus den eigenen Americano-Trauben. Andere seien vor Hinweisen gewarnt, die «keinen Foxton bei Vollreife» anpreisen. Er ist Erbe der pilzresistenten Vitis-Arten aus Amerika. Trauben von Americano-Reben haben oft auch ein schleimiges Fruchtfleisch. Die Grösse ihrer Blätter und ihre Wüchsigkeit sind unübertroffen. Die Sortenvielfalt ist gross. Weisse, rote, blaue, dicht- und lockerbeerige, kernlose und kernarme bieten sich zu verschiedenen Reifezeiten an. Die Staffelung der Ernte ist einfach. Manche Kelterreben, wie Gutedel, liefern gute Tafeltrauben, Tafeltrauben aber zumeist keinen guten Wein, weil es ihnen an Säure fehlt. Das muss bei privatönologischem Interesse bedacht werden.

Tafeltrauben
Empfehlenswerte Sorten

  • ‘Muscat bleu’ – blau, lockere Trauben, feines Muskat-aroma, sehr pilzresistent, Wuchs mittelstark, Reife früh-mittel, gelbe Herbstfärbung 
  • ‘Fanny’ – weiss, lockere Trauben, sehr grosse Beeren, pilzresistent, Wuchs kräftig, Reife mittel, stark ausdünnen 
  • ‘Ontario’ – blau, grosse lockere Trauben, leichter Foxton, pilzresistent, Wuchs stark, Reife mittelspät, dunkelrote Herbstfärbung 
  • ‘Palatina’ – weiss, grosse, dichtbeerige Trauben, pilzresistent, wüchsig, Reife mittel 
  • ‘Kalina’ – rot,  grosse, lockere Trauben, kleine, sehr süsse Beeren, pilzresistent, Wuchs stark, Reife mittel  
  • ‘Venus’ –blau, kernlos, kompakte Trauben, pilzresistent, Wuchs mittel, Reife früh  
  • ‘Himrod’ – weiss, kernlos, mittlere, lockere Trauben, pilzresistent, Wuchs stark, Reife sehr früh, grosse, weiche Blätter.

 

Bezugsquellen
Biobaumschule Glauser, Noflen, www.biobaumschule.ch
Rebschulen Auer, Hallau, www.rebschulen.ch

 

 

 

Quelle

Zeitschrift «Bioterra»,
Bioterra Magazin September/Oktober 2017
(Freitag, 01. September 2017)
Kategorie: 
Kulinarisches aus dem Garten