Bärlauch (Allium ursinum)

Noch 1910 konnte Kräuterpfarrer Künzle die Leute mit dem Verzehr von Bärlauch Allium ursinum fast zu Tode erschrecken. Die uralte Heilpflanze war so in Vergessenheit geraten, dass sie in der Zwischenzeit als giftig betrachtet wurde. Erst der Beweis, dass Künzle am Leben blieb, überzeugte die Menschen und liess sie den Bärlauch wieder verwenden. Pfarrer Künzle lobte das Kraut über alle Massen. «Ewig kränkelnde Leute, solche mit Flechten, Aissen und Ausschlägen, die Skrofulösen und Bleichsüchtigen sollten den Bärlauch verehren wie Gold. Junge Leute würden aufblühen wie ein Rosenspalier.»

Schon die Germanen priesen diese Pflanze und benannten sie nach dem Bären, einem ihrer Seelentiere. Gross und stark wurde der Bär durch den Lauch, den er im Frühling frass. Was den Bären eben bärenstark machte, musste auch für die Menschen gut sein, Durch den fleissigen Gebrauch der Römer erhielt der Bärlauch auch den Namen Roman-Salat, römischer Salat. Bärlauch war der Göttin Ceres geweiht und man mischte aus ihm einen Liebestrank, der selbst bei angezauberter lmpotenz geholfen haben soll.

Heute lässt es sich schwer nachvollziehen, wie ein so heilkräftiges Kraut in Vergessenheit geraten konnte. Mit seinen Inhaltsstoffen reinigt er den Körper von innen und hilft so bei chronischen Hautausschlägen und Flechten. Durch seine hohe Vitalilät, verbunden mit Vitamin C, bringt er im Frühling wintermüde Glieder wieder in Schwung. Er hat eine stark bakterizide Wirkung, die sich auf die Darmflora auswirkt, ohne deren nützliche Bakterien zu zerstören, was vor allem nach einer Antibiotika-Kur genutzt werden kann. Wie der Knoblauch, wirkt auch der Bärlauch Blutdruck senkend und beeinflusst Arterienverkalkung günstig, respektive hilft sie zu verhindern.

Am wirksamsten ist der Bärlauch, wenn er jung und zart ist. Getrocknet verliert er seine Wirkung. In der Wildkräuterküche ist er so vielseitig einsetzbar, dass man kaum Zeit hat, alle Rezepte auszuprobieren, bevor er wieder verschwunden ist. Via Ernährung lässt sich lustvollste Heilkunde betreiben. Bärlauch ist, allen Unkenrufen zum Trotz, auch noch essbar, wenn er blüht und  absolut ungiftig. Auch aus Blüten und jungen Früchten lassen sich leckere Speisen zubereiten. Selbst im Herbst muss man nicht auf ihn verzichten. Wer einen Standort weiss, oder sogar welchen im Garten hat, kann die Zwiebelchen ausgraben. Sie schmecken etwas milder als Knoblauch und sind äusserst schmackhaft.(...)

 

Rezepte mit Bärlauch

Ramselenkäsli

Mit frischem Brot serviert mein Frühlings- Lieblingsessen: Eine Handvoll Bärlauch klein schneiden. Galakäsli mit etwas Rahm zerdrücken und den Bärlauch darunter mischen.

Kräuterbutter

Ein Rezept, wie man Bärlauch gut konservieren kann: Butter weich werden lassen. Bärlauchblätter und Zwiebelchen fein hacken, mit Meersalz mischen und etwas ziehen lassen. Gut mit der Butter vermengen, Rollen formen und in Alufolie gewickelt einfrieren.

Bärlauchöl

Speziell für Salate: ln eine weithalsige Flasche reichlich Bärlauchblätter geben und mit Olivenöl auffüllen. Drei bis vier Wochen ziehen lassen, absieben und die Blätter zu einem Pesto verarbeiten. Das Öl hat einen etwas säuerlichen Geschmack.

Blüten-Garnitur

Blüten über den Salat streuen oder in den letzten fünf Minuten dem Risotto beimischen. Dazu eignen sich übrigens auch Schnittlauchblüten sehr gut. Beide Blütenarten ergänzen sich im Aroma und können auch gemischt werden.

Schinkenrollen mit Bärlauchzwiebelchen

Frischkäse mit Rahm etwas verflüssigen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Bärlauchzwiebelchen klein hacken und darunter mischen. Die Masse auf Schinkenscheiben geben und einrollen. Mit einem Salat eine leckere Vorspeise oder ein kleiner, feiner z' Nacht.

Bärlauchtinktur

Bärlauchblätter klein schneiden und mit einem klaren Schnaps übergiessen. Drei Wochen unter gelegentlichem Schütteln ziehen lassen und dann abfiltrieren. Dreimal täglich vor dem Essen 10-15 Tropfen der Flüssigkeit mit etwas Wasser einnehmen. Wirkung siehe oben!

Quelle

Zeitschrift «Naturwärts»,
47 1/2007 von Judith Degen
(Montag, 07. April 2014)
Kategorie: 
Kräuter - Heilkräuter
Kulinarisches aus dem Garten
Wildpflanzen - einheimisch