Gartenwerkzeuge putzen und pflegen

Werkzeuge, die stets gepflegt und repariert werden, sind allzeit bereite Gartenhelfer. Doch manchmal fehlt während der Saison schlicht die Zeit fürs Pflegen. Deshalb jetzt Schaufel, Schere und Co. putzen und danach einwintern. Was dafür nötig ist und wie man es schlau macht, verrät Gartenfachmann Jochen Elbs-Glatz.

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Die Werkzeugpflege wird allenthalben im Herbst angesiedelt, wenn der Garten abgeerntet ist, die letzten Blumenzwiebeln vergraben sind und dem Gärtner nichts anderes mehr bleibt, als den Gartenplan fürs nächste Jahr zu erstellen oder endlich «das gute Buch» zu lesen. Treibt es ihn dann hinaus ins sonnige Raschellaub oder ins neblig Triefende, harrt seiner dort eine Menge Werkzeug und schreit nach Pflege. Nur ist es vielleicht schon zu kalt, um kalten, angerosteten Dreck von kaltem Stahl zu kratzen. Der Haufen des zu Pflegenden ist zu gross. So lässt man es wieder einmal und vertagt es auf das nächste Jahr. Wirklich gutes Werkzeug hält das aus, wird davon aber nicht besser.

Wie macht man es richtig? Kontinuierlich, wie meistens. Nicht warten, bis ein Haufen Holz und Eisen übereinanderliegt und herkulische Kräfte zu seiner Abarbeitung fordert. Nein, immer pflegen und reparieren, was einem gerade vor die Hände kommt, führt zum Ziel von gepflegten, allzeit bereiten Werkzeugen.

Waschen und salben
Reinigung ist aller Anfang. Am Eisen anhaftende Erde zieht Feuchtigkeit an, die dann das Eisen darunter rosten lässt. Rost raut die Oberfläche auf, und raue Oberflächen gleiten nicht mehr so leicht in die Erde oder durch sie hindurch. Gleich nach der Gartenarbeit ist die Erde noch feucht und lässt sich mit Gummihandschuhen, einem Spatel oder Bürsten leicht entfernen. Ich bevorzuge ein gestieltes, relativ weiches Messingbürstchen und einen Schaber. Bei heissem, trockenem Wetter, wenn die Werkzeuge sicher schnell abtrocknen, kann auch mit Wasser gewaschen werden. Es sollte aber darauf geachtet werden, die hölzernen Stiele nicht zum Aufquellen zu bringen, sie also möglichst trocken zu halten. Aufquellen lockert den Halt im Werkzeug und macht die Stieloberfläche rau. Nach dem Waschen kommt das Salben. Werkzeuge aus Carbonstahl sind nicht rostfrei. Einreiben mit Fett schützt sie vor Korrosion. Bei rostfreien oder Kupferwerkzeugen ist Rostschutz nicht nötig, aber auch hier verringert eine Fettschicht die Reibung im Boden, auch über den ersten Spatenstich hinaus. Welches «Fett» man verwendet, bleibt der persönlichen Vorliebe überlassen. Sicher sind biologische Fette Mineralölprodukten vorzuziehen. Mein Opa Heinzmann verwendete einen Strang rohes Schweinenierenfett. Dieses leibhaftige Stück Tier hat mich als Kind, auch durch seinen Geruch, sehr beeindruckt. Jedes Salatöl tut seinen Dienst. Von Leinöl ist abzuraten, weil es abbindet und einen zähen Firnis auf der Werkzeugoberfläche bildet. Das Waffenöl Ballistol ist angenehm in der Handhabung und ein wahres Allheilmittel, glaubt man den aufgedruckten Anpreisungen. Hat man gar nichts anderes, tut es auch das allerbilligste Nähmaschinen- oder Velokettenöl vom Grossverteiler. Das braucht man sowieso für alle Scheren.

Ich bevorzuge pastose Fette. Sie tropfen nicht und laufen nicht in der zu vermeidenden Richtung davon. Schweineschmalz ist gut geeignet, auch verbrauchtes Kokosfett aus der Friteuse. Ich verwende das abgeschöpfte Fett von der Rindsbouillon. Hühnerbrühen-Degraissé ist ölig und deshalb weniger geeignet. Verrührt man das Fett mit ca. 20 Prozent Zitrusterpenen, wird es nicht ranzig und bleibt auch bei tiefen Temperaturen geschmeidig. Zitrusterpene werden bei der Herstellung von Zitrussaft aus den übrig bleibenden Schalen extrahiert. Sie sind ein hochpotentes Lösungsmittel auf natürlicher Basis. Als Kettenreiniger für Velos werden sie oft verwendet.

Seine persönliche «Schmotze» bewahrt man am besten in einem Einmachglas oder einer Büchse auf, in denen der Pinsel zum Auftragen gleich mit Platz hat. Separat aufbewahrte Pinsel neigen dazu, zu verschwinden oder Fett dort abzugeben, wo man es gar nicht wollte.

Stiele aus Esche schleifen und ölen
Die besten Stiele sind aus astfreiem Eschenholz. Ihre Jahrringe liegen eng beieinander und laufen möglichst über die ganze Länge des Stiels parallel. Schräg angeschnittene Jahrringe verwandeln den Werkzeugstiel, wenn er bricht, in einen höchst gefährlichen Stichdegen. Eingestielt werden Stiele so, dass die Jahrringe senkrecht zur Werkzeugachse stehen. Man legt das Werkzeug vor sich hin, als wolle man damit arbeiten, steckt den Stiel in die Tülle und dreht ihn, bis die Jahrringe senkrecht stehen. Mit einigen Schlägen eines Holzhammers auf das hintere Ende treibt man ihn fest, doch nicht auf alle Zeiten unlösbar, ein. Ein kurzer Nagel hält die Tülle fest. Ich verwende Kupfernägel, weil mir der Spengler einmal eine Handvoll geschenkt hat. Stahlnägel sprengen das Holz, und Schrauben sehen immer nach Gebastel aus.

Die schönste Oberfläche entsteht durch Gebrauch des rohen Holzes. Kein Ebenist des 18. Jahrhunderts konnte eine solche Politur herstellen wie meine Grossmutter auf dem Stiel ihres Kultivators in 50 Jahren Arbeit. Ich überschleife meine Stiele im Frühjahr, wenn sie von der Winterfeuchtigkeit etwas rau geworden sind, kurz mit 150er oder 200er Schleif-papier. Dann sind sie wieder glatt und bereit zur Gartenarbeit. Leinöl bildet auf den Stielen einen Firnis, der die Oberfläche härtet und gegen Feuchtigkeit unempfindlicher macht. Wichtig ist es, das Leinöl ganz dünn aufzu-tragen und alles Überständige sauber abzuwischen, weil sich sonst klebrige Nasen und Filme bilden. Leider fühlen sich geölte Stiele heiss an, weil sie den Schweiss der Hände nicht aufnehmen. 

Kannen und Fässer leeren und kopfüber aufstellen
Wirklich wichtig für den Winter: Alles Wasser muss raus! Bei Zinkkannen und -gelten können schon wenige Zentimeter gefrierendes Wasser den Boden auswölben oder ausdrücken. Holzfässer halten Eisdruck nicht stand. Einzig die blauen Fässer wölben im Frost ihren Boden aus, bleiben aber ganz. Mir sind allerdings einmal zwei in den Kanal gekullert, weil sie mit rundem Boden ihre Standfestigkeit verloren hatten. Ausleeren und kopfüber auf Latten oder Steine stellen, ist die beste Wintervorbereitung. Doch achten Sie auf Stabilität! Nicht dass die umgedrehte Regentonne dem Igel zur tödlichen Falle wird.

Quelle

Zeitschrift «Bioterra»,
Nov./Dez. 2015
(Dienstag, 03. November 2015)
Kategorie: 
Gartengeräte