Editorial J A H R E S T H E M A gärtnern Freiheit, zu gestalten Der Frühling beginnt nicht mit grossen Gesten, sondern mit kleinen Handgriffen: Ein Saatgefäss füllen, pikieren, giessen, beobachten – und rechtzeitig entscheiden, was weiterkommt und was nicht. Genau dieses Zusammenspiel aus Wissen, Erfahrung und Urteil macht Gärtnern so aktuell. In einer Zeit, in der oft vorgegeben ist, wie etwas zu tun ist, erinnert uns der Garten daran, dass es auch anders geht: durch Beobachtung, Abwägen und den Mut, eigene Wege zu gehen. In dieser Ausgabe begegnen wir Menschen, die genau dafür stehen. Patricia Willi, die prägende Persönlichkeit der Wildstaudenproduktion, zeigt, was es heisst, Pflanzen wirklich zu verstehen – standortkundig, präzise und konsequent (Seite 10). Und wenn Gioia Meroni die Setzlingsanzucht erläutert, wird deutlich, dass Qualität nicht aus Rezepten wächst, sondern aus Beobachtung, Routine und Lernbereitschaft (Seite 22). Der deutsche Soziologe Hartmut Rosa beschreibt, wie unser Alltag immer stärker durch Regeln und Abläufe getaktet wird. Damit schrumpfen Entscheidungs- und Handlungsspielräume – vieles wird zum reinen Vollzug. Gärtnern ist das Gegenmodell – es ist die Freiheit, zu gestalten. Diese Perspektive findet sich auch im Gespräch mit Alexandra-Maria Klein zur Bestäubung im Nutzgarten (Seite 32) und im Porträt über Siegfried Keller, der sich den Schlupfwespen verschrieben hat (Seite 52). Ich wünsche eine Saison voller kreativer Entscheidungen. Titelbild | Leuchtend gelbe Tulpen begrüssen kraftvoll den Frühling | Foto: Benedikt Dittli Jean Bernard Bächtiger Präsident Bioterra 2 B i o t e r r a 3 / 2 0 2 6 |