G a r t e n d e r I n s p i r a t i o n Alles hängt zusammen: In Lotte Mügglers Atelier trifft der Garten auf gesellschaftskritische und philosophische Fragen. Von Sandra WeberL otte Müggler hätte nie gedacht, dass sie jemals zurückkommen würde. Zurück ins Glarnerland, zurück in ihr Elternhaus am Fuss des mächtigen Wiggis. Damals, als sie mit noch nicht mal 16 Jahren Netstal verliess. «Es zog mich in die Welt hinaus», erinnert sich die Künstlerin, die an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich studierte, sich an der Textilfachschule St. Gallen und der Kunstakademie Hamburg weiterbildete und später viele Jahre vor allem im Raum Zürich tätig war. Licht im Garten Seit 17 Jahren ist Lotte Müggler zurück im Tal, wo die Felswände höher in den Himmel ragen als die Eiger- Nordwand und den Horizont einzuschränken scheinen. Die Künstlerin aber hat ihren offenen Geist behalten. In ihrem lichtdurchfluteten Atelier mit Blick auf den Garten und die Berge fliessen nach wie vor weltpolitische, philo- sophische und gesellschaftliche Fragen in ihre gestalteri- sche Arbeit ein. Und immer auch die Natur. Verändert hat sich ihr Werk trotzdem. Ihr Schaffen ist heute nicht mehr auf vier Wände beschränkt, sondern findet oft unter freiem Himmel statt. Es beginnt frühmorgens, wenn die aufgehende Sonne den Wiggis leuchtend rot färbt und es noch ganz ruhig ist. Wenn Lotte Müggler mit einer Tasse Kaffee in der Hand durch ihren Garten streift und beobachtet, welche Blüten sich schon geöffnet haben, welche Tiere unterwegs sind und wie das Licht durch das Blattwerk fällt. «Das Licht ist so etwas Faszinieren des. Wie sich über das Licht eine Form, eine Distanz, eine Farbe, eine Stimmung verändern kann. Es ist ein Thema, das mich immer wieder inspiriert und beschäftigt.» Oft verbringt sie diese ersten Stunden des Tages mit Setzen, Jäten, Schneiden und Aufbinden, bevor sie, oft ganz er- füllt von Ideen, Sinneseindrücken und Gedankengängen, ins Atelier hinübergeht. Die Arbeit im Garten sei für sie nur bedingt vergleichbar mit dem Schaffen von Kunst. Aber es sei auch eine gestalterische Arbeit. «Ich lasse mich im Garten, wie auch im Atelier, ganz oft vom Pro- zess leiten, lasse ganz vieles erst mal geschehen, beob- achte, warte ab, was passiert. Und entscheide nach und nach, ob ich damit zufrieden bin, weiterfahre oder alles verwerfe und neu anfange.» Weiter auf Seite 19 | B i o t e r r a 7 / 2 0 2 5 15