G a r t e n a m S e e und natürlich auch viele «Ich habe viel ausprobiert Fehler gemacht.» Von Sandra Weber N icht die idyllische Lage mit der traum- haften Aussicht auf den Berner Wohlensee war es interessanterweise, die Claire-Lise Suter zum Kauf ihres Hauses in Murzelen überzeugte. Son- dern eine Schar Zugvögel. «Als wir aus dem Auto stiegen, sah ich unten auf dem Wasser eine ganze Gruppe Schnat- terenten. Da wusste ich sofort: Hier möchte ich wohnen», erzählt die Geografin, die schon damals ein grosses Herz für Vögel hatte. Rund dreissig Jahre ist es jetzt her, seit sie mit ihrem Mann Cédric Thalmann in das ehemalige Taglöhnerhaus von 1900 zog und sich daranmachte, den rund 800 m2 grossen Garten, mit mittlerweile dreimal mehr Weideland und einem Obstgarten, in ein blühendes, vogelfreundliches Paradies zu verwandeln. Seltene Hochstammbäume «Der Garten war kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte be- reits einige tolle Hochstämmer wie Äpfel, Birnen und Mirabellen, die wir behalten und mit weiteren Bäumen ergänzt haben», sagt Claire-Lise Suter. Alte Obstbaum- gärten würden in der Schweiz immer seltener, weil ihre Bewirtschaftung sehr aufwendig sei. «Dabei wären sie enorm wichtig für rund 35 Brutvogelarten, wie Garten- rotschwanz, Wendehals, Steinkauz, Spechte oder Wiede- hopf, die auf und zwischen den Bäumen nach Insekten jagen», erklärt die Hobby-Ornithologin. Wegen der Vögel lässt sie auch absterbende Bäume stehen, im Totholz finden sie Futter, und im besten Fall entstehen Nist- höhlen. Obstgärten seien auch Lebensräume für viele In- sekten, Fledermausarten, Igel und Siebenschläfer. «Selbst wenn Letzterer es momentan vorzieht, in unserer Werk- statt zu hausen.» Und noch eine Tierart, die Cédric Thalmann, Geologe mit Imker- und Schäferausbildung, betreut, erfreut sich in Murzelen am Lebensraum Obstgarten: sechs Skudde- Schafe, die unter den Bäumen mit Blick auf den See ein Bilderbuchleben führen dürfen. Sie sehe die Obstbäume als eine Win-win-Situation, sagt Claire-Lise Suter: «Le- bensraum und Nahrung für Tiere, jährliche Blütenpracht und Obst für uns Menschen.» Die Früchte verarbeitet Weiter auf Seite 21 F o t o s : B e n e d i k t D i t t l i | B i o t e r r a 6 / 2 0 2 5 17