S o m m e r g a r t e n einen nie im Stich oder «Wildblumen lassen nur sehr selten,» Ein bunt blühendes Beet aus Blutweiderich, Taglilien, Wilder Möhre und Storchschnabel. I hre allernächste Nachbarschaft kennt Christine Limburg bestens. All die vielen grösseren und kleineren Lebewesen, die in ihrem Garten hausen, hier in Herrli- berg, an der Goldküste des Zürichsees. Mit ihnen pflegt sie ein Miteinander voller Fürsorge, Überraschungen, Freude und Glück. Und wer ihr zuhört, hofft stets, dass diese eine Geschichte, die sie gerade erzählt, nicht die letzte ist. Von Sarah Fasolin Zum Beispiel die Begegnung mit einer Blattschnei- derbiene. Als Christine Limburg einmal auf dem Vorplatz aus dem Auto stieg, fiel ihr zwischen den Ritzen der Pflastersteine eine Wildbiene auf. «Ich beobachtete, wie sie in der sandigen Fuge einen Gang grub, dann wegflog und mit einem zurechtgeschnittenen Pflanzen- blatt zurückkam. Mit diesem kleidete sie den Gang aus.» Christine Limburg nahm sich Zeit, die Biene zu beob- achten. Wie sie Flug um Flug ihr Nest tapezierte, um darin ihre Brut aufzuziehen. «Nur auf einem Garagen- platz ein solches Wunder», schwärmt sie. «Viele Leute sehen es nicht gern, wenn etwas zwischen den Fugen wächst, und spritzen es weg. Dabei gäbe es so viel Schönes zu beobachten.» Von konventionell zu naturnah Mit einer Biene hatte Christine Limburgs Garten- geschichte angefangen – oder besser gesagt: eine fundamentale Wendung genommen. Einst sah ihr Garten aus wie viele andere hier an diesem Hang. In den 1960er- Jahren baute ihr verstorbener Mann, Architekt Rolf Lim- burg, das Haus. Der Garten wurde wie damals üblich angelegt: streng reduziert und vor allem so bepflanzt, dass der Gärtner nicht allzu viel zu tun hatte. Der unte- re, steile Rand des Grundstücks war von Lonicera be- wachsen. Auf der Wiese standen ein paar Apfelbäume, daneben Rosenbeete mit Edelrosen, die regelmässig gespritzt werden mussten, weil sie sonst krank wurden und nicht blühten. Eines Tages vor zwanzig Jahren, als Christine Limburg im Garten einen Rundgang machte, sah sie auf einer Rose eine tote Biene liegen. «Mir war sofort klar, dass die Biene von dem Gift gestorben war, Weiter auf Seite 19 F o t o s : B e n e d i k t D i t t l i | B i o t e r r a 5 / 2 0 2 5 15