JA HRESTH EMA SY MBIOSE herumtoben, ist es mir das grösste Vergnügen, wenn ich dabei haufenweise Schilf ausreissen kann. Rund 200 Liter Schilf waren es diesmal.» Einen tollen, grossen Teich im Garten und trotzdem nicht baden dürfen. Nur gewisse Wege begehen, um nichts zu zertrampeln. Orte, die tabu sind, um den brütenden Neuntöter nicht zu stören. Überständiges Gras, das nicht mehr als Tierfutter taugt. Familie Mosimann schränkt sich ein und investiert viel Arbeit in ihr Paradies. Müsste das Zusammenleben von Mensch und Natur nicht auch symbiotischer funktionieren, also nicht nur ein Geben vonseiten der Menschen sein? Der Familienvater beant- wortet die Frage vage: «Es ist in der Familie immer wieder ein Thema, aber es hat sich jetzt so etabliert.» Die Akzep- tanz ist wohl auch deshalb vorhanden, weil die Familie seine Überzeugung teilt. Der 50-Jährige ist sicher, Gott habe ihnen diesen Hof zugehalten und die Natur habe Gott zum Wohle von uns Menschen geschaffen. «Wir Menschen werden dazu eingesetzt, zur Natur Sorge zu tragen. Wenn es der Schöpfung gut geht, geht es auch uns Menschen gut.» Letztlich leistet der Hofbesitzer sein Engagement jedoch zum Wohl der Menschen. «Die Schmetterlinge zu sehen, tut mir einfach gut. Ich glaube, dass tief im Herzen jeder Mensch diese Vielfalt braucht. Aber bei vielen sind diese Wünsche und Sehnsüchte – die Herzensaugen – bereits verkümmert.» Der Naturschützer wird philoso- phisch: «In den letzten Jahrzehnten kommen immer mehr Menschen mit ihrer Situation grundsätzlich nicht mehr «Mindestens 25 Vogelarten haben letztes Jahr bei uns gebrütet.» Wagenschopf habe ich 1993 geholfen anzulegen, kurz nachdem ich meine Lehre als Landschaftsgärtner abge- schlossen hatte», erinnert er sich. Noch weiter zurück liegen die Anfänge seiner Naturbegeisterung: «Ungefähr ab der dritten Klasse bin ich ständig mit Vogel-, Pflanzen- und Schmetterlingsbestimmungsbuch losgezogen. Das hat mir viel mehr Spass gemacht, als Fussball zu spielen oder die Stadt unsicher zu machen.» Ein Biologiestudium wäre naheliegend gewesen, aber: «Damals kam die Gen- manipulation auf, und es hiess, das sei Teil des Biostudi- ums. Das hätte mich psychisch dermassen belastet, dass ich nicht mehr hätte lernen können.» Und so wurde er Naturgartenbauer – ein damals noch junger Beruf. Allein auf dem Gang über den rund 100 Meter langen Weg zwischen Wagenschopf und Teich, wo das dürre Gras kniehoch steht, bestimmt er – meist im Flug und innert Sekunden: Hauhechelbläuling, Mauerfuchs, Grosses Ochsenauge, Grosser Kohlweissling, Gemeine Wald- schwebfliege, Veränderliches Widderchen, Kreuz- und Baldachinspinnen und viele weitere Sechs- und Achtbei- ner. Nur die Wespenspinne, die gestern noch ihr auffälli- ges Netz im Mittelstreifen des Weges aufgespannt hatte, bleibt trotz Suche unauffindbar. Vielleicht hat der Dachs das Netz zerstört. Daniel Mosimann selber versucht beim Gehen durch sein Gelände möglichst wenig zu zerstören und wählt seine Wege ganz bewusst. Auch am Rand des 370 Quadratmeter grossen Teiches: «Hier im Hufeisenklee könnte es Raupen des Himmelblauen Bläulings haben. Deshalb gehe ich da nicht durch, sondern bewege mich nur auf den offenen Kiesflächen.» Es flattert ein grosser, heller Schmetterling vorbei. Eventuell ist es ein Weisser Waldportier, den Daniel Mosimann schon lange nicht mehr gesehen hat. Vermutlich landet er weiter unten in der Wiese. Auch wenn es ihn sehr interessieren würde, er geht ihm nicht nach. Denn: «Ich würde hier in der Wiese ganz viele Ameisenhaufen zertrampeln. Da zügle ich lieber meine Neugierde.» DIE SYMBIOSE MENSCH - NATUR Alle paar Jahre fährt er aber grobes Geschütz auf, denn nur mit dem Bagger kann er die schon relativ grossen Birken, die sich entlang des Teichufers angesiedelt haben, eliminieren. Auch vom Schilf muss rund 80 Prozent im Herbst raus, damit der Glögglifrosch wieder genügend offene, besonnte Fläche vorfindet. Mit dem Jäten hat er beim Baden schon begonnen. Denn einmal jährlich wird der Teich zum Badeplatz. Immer am letzten Sommer- feriensonntag – und nur dann, um die Glögglifrösche nicht noch mehr zu stören – erlaubt es der Naturgärtner seiner Familie, im Teich zu baden. «Während meine Frau die Ent- spannung auf der Luftmatratze geniesst und die Kinder | B I O T E R R A 1 / 2 0 2 4 15 $