N A T U R G A R T E N Mit Ausnahme der Rosen kommen die Pflanzen ohne Dünger aus. Laub von den Kiesflächen und schichten dieses sorgfältig zu einem Haufen, damit allfällige sich verpuppende Insekten schadlos bleiben und sich weiterentwickeln können. Viele Petitessen – Grosses gibt es für die beiden vorerst nicht zu tun. Glücklicherweise. Denn Margrit Gählers Rücken zwackt empfindlich, nun ist sie doppelt froh darüber, dass sie die Natur nicht ständig in die Knie zwingt. «Für uns stand von vorneherein fest, dass wir in unseren Garten viel Leiden- schaft, aber möglichst wenig Arbeit investieren wollten.» Ihr Jahresplan ist entsprechend dünn: Er umfasst haupt- sächlich zwei Jätdurchgänge pro Jahr, den Unterhalt der Wege, keinen Firlefanz (siehe Kasten, Jahresplan Seite xx). Wichtigster Begleiter ist die Schere, mit der schneiden die beiden jeweils auch den ersten Blust der Wildpflanzen weg, damit sie ein zweites Mal nachlegen und den vielen Schmet- terlingen, Wespen, Bienen und anderen geflügelten Besu- chern neuerlich Nahrung bieten. «Den Rest überlassen wir der Natur», sagt Margrit Gähler: «Wir müssen einzig zusehen, dass darin die Vielfalt erhalten bleibt – und uns die Stauden nicht über die Ohren wachsen.» Ah, eines hätte sie fast ver- gessen: «Im Frühling bekommen unsere Rosen etwas Dün- ger.» Bislang brachte Franz Bilger den Mist ihrer Ostfriesi- schen Milchschafe aus. Mittlerweile ist der Vorrat erschöpft, nun müssen sich die vielen Rosenstöcke, die ebenfalls im Naturgarten zu finden sind, mit normalem Kompost begnü- gen. Dieser stammt von den zwei grossen Walmen, die sich im angrenzenden Gemüsegarten gut sichtbar himmelwärts wölben. «Die restlichen Pflanzen müssen ohne zugebrachte Nährstoffe auskommen – und sie machen das auch.» Es war im heissen Sommer 2003, als das Naturwunder in Wuppenau seinen Anfang nahm. Das Paar sass in der Stube und schmiedete Zukunftspläne. Während der Renovation der Fassade mussten sie einsehen: Das Fundament bröckelte, überdies galt es die angrenzende Quartierstrasse mit einer Mauer abzustützen. «Damals beschlossen wir, nicht nur das Haus, sondern auch gleich den Umschwung zu sanieren», sagt Margrit Gähler. Vor der Haustür wurzelten mächtige Bäume, und in der Wiese waren jene Blumen längst verschwunden, die Franz in seinen Jugendjahren noch für seine Mutter pflü- cken konnte. Eine grüne Ödnis also. Die Bewohner liebäugel- ten mit einem Bauerngarten, schwenkten dann aber um auf einen Naturgarten. «Erst dachten wir, die Auswahl der Wild- stauden sei für unsere Ansprüche zu beschränkt – doch nach den ersten Recherchen erkannten wir, wie sehr wir uns getäuscht hatten.» Also machten sie sich ans Werk. Margrit Gähler studierte im Wälzer «Flora Helvetica» die Eigenheiten unzähliger hei- TRAUMPAARE IM FRÜHLING Taubenschwänzchen schätzen verschiedene Blüten. Ihre Eier aber legen sie auf das Wiesen-Labkraut. Ähnlich den Kolibris schwirren Taubenschwänzchen von Blüte zu Blüte, zum Beispiel derjenigen des Seifenkrautes Saponaria officinalis (Bild). Ihre Eier legen sie auf je eine junge Wiesen-Labkraut- Pflanze (siehe Bild Seite 15). Der Wanderfalter über- wintert in Afrika und fliegt bei uns im April ein. Wiesen-Labkraut Galium mollugo wächst auf lehmi- gem Boden in nicht zu mageren Wiesen. Es blüht von Mai bis August und wird bis zu einen Meter hoch. Die dekorativen Reseden sind für die Reseden- maskenbiene überlebenswichtig. Um sich fortpflanzen zu können, braucht diese Wildbiene die Resede (Bild). Denn ihre Brut zieht sie ausschliesslich mit Pollen dieser Wild- pflanze auf. Fehlt sie im Garten, verschwindet auch die Biene. Reseden, auch gelber Wau oder gelbe Rauke genannt, sind sehr dekorative einheimische Wildpflanzen, sie vermehren sich gut, ohne lästig zu werden. Sie blühen von April bis Oktober und werden 30 bis 70 cm hoch. 14 B I O T E R R A 7 / 2 0 1 8 F O T O S : B E N E D I K T D I T T L I F O T O S : B E N E D I K T D I T T L I F O T O S : M A R G R I T G Ä H L E R _12_bt_gaehler_wf01.indd 14 11.10.18 17:14