| Kleine Gartenräume - grosse Vielfalt | | Drucken | |
|
Was Wildpflanzen und Kleintiere in naturnahe Gärten zieht, sind lebensfreundliche Räume. Diese sollen und können gleichzeitig den Menschen nützlich sein. Deshalb ist es naheliegend, den naturnahen Garten nicht als einen grossen Raum zu konzipieren, sondern gestalterisch in Kleinräume mit verschiedenen Funktionen zu gliedern. Das verleiht einem Garten auch seinen Reiz: Beim Lustwandeln in einem Areal, das aus verschiedenen Kammern besteht, eröffnen sich immer neue An- und Ausblicke. Neugierig lässt sich erforschen, was sich hinter einer abtrennenden Gehölzgruppe verbirgt, oder was nach dem Ersteigen einer Treppe sichtbar wird. Man könne den Garten mit einer Wohnung vergleichen, erklärt die Landschaftsarchitektin Solvej Indra: Da gibt es verschiedene Zimmer unterschiedlicher Grösse und mit unterschiedlichen Zwecken, die über einen Korridor miteinander verbunden sind. Draussen erschliesst ein Gartenweg diverse Kammern. Als «Wände» fungieren Gehölze, Mauern und bepflanzbare Gestelle. «Entscheidend ist, einen Raum zu verengen, damit dahinter der nächste aufgehen kann», sagt Solvej Indra. Auch Stufen betonen optisch, dass man von einem Raum in den nächsten tritt; der Mensch nimmt den Übergang wahr, weil er das Bein heben muss. Ein weiterer Vorteil: Stufen bilden Ritzen, wo Wildpflanzen wachsen können. Das Gliedern des Raums in kleine Räume ist nicht nur für grosse Flächen vorteilhaft. Gerade auch kleine Gärten gewinnen dadurch an Dimension. Wie dieses Denkmodell konkret Gestalt annimmt, zeigt Bioterra mit Raumbeispielen aus vier naturnahen Gärten. Die Planerin Solvej Indra und der Naturgartenfachmann Jürg Wildi haben sie gemeinsam realisiert. Zu den vier Beispielgärten gehören zwei neu gebaute Objekte; die Umgebung eines Wohn- und Bürohauses der Familie Bernet und der Umschwung zu einer Reihenhaussiedlung, in der Solvej Indra wohnt. Beim Einfamilienhaus von Edith und Gil Soyer wurde ein bestehender Garten umgestaltet, ebenso auf dem Grundstück mit Bauernhausstil, das dem Naturgartenfachmann Wildi und seiner Familie gehört. Den Träumen Raum gebenLandschaftsarchitektin Indra plädiert dafür, sich ein Areal leer vorzustellen und es frisch zu planen. Das gilt auch für bereits bestehende Gärten. Das Potenzial eines Gartenraums sei meist grösser, als man zuerst denke, erklärt sie. Viele der Räume, von denen Bewohnerinnen und Bewohner eines Gartenreichs schon lange träumen, liessen sich verwirklichen. Andererseits haben sie und Jürg Wildi Respekt vor dem Bestehenden: «Man muss nicht alles umkrempeln», meinen beide. Denn: «Bestehende Bäume und Büsche lassen sich oft integrieren.» Aus diesem Zusammenspiel entstehen naturnahe Anlagen, in denen viel Einheimisches, aber auch Zierpflanzen Platz haben – je nach Anliegen der Bauherrschaft. Anhand des ursprünglich gezeichneten Gartenplans rekapituliert Solvej Indra, was auf dem Land von Edith und Gil Soyer entstanden ist: «Wir hatten verschiedene Anhaltspunkte, um den Raum zu teilen, zum Beispiel eine Birke und einen schönen grossen Hibiskus. Die bestehenden Gehölze ergänzten wir mit weiteren Objekten, um Räume zu bilden.» Als neues Element wählten Soyers beispielsweise einen mit Kletterrosen und Clematis bewachsenen Pavillon aus Armierungseisen, der im Sommer einen schattigen Sitzplatz bildet. Ihre Ideen setzt Indra gerne grosszügig um. So begrenzt eine Stützmauer, die ebenfalls als Sitzgelegenheit dienen kann, die ganze Länge einer Böschung. Ein neues Gerätehaus und der Pavillon bilden den Rahmen für ein von Rasen umgebenes Schmuckbeet mit Zierpflanzen wie Pfingstrosen und Lilien. Das Auffallende an diesem langgestreckten Beet ist seine Umrandung: In den Boden eingelegte Steine bilden ein Flechtmuster, das auch unabhängig vom Blumenflor schön aussieht. In einem anderen Gartenraum steht ein Hochbeet mit Kräutern. «Das Ziel ist, Schwerpunkte zu setzen, sodass jeder Raum etwas Besonderes an sich hat», erläutert die Landschaftsarchitektin. Während der Umgestaltung vor sechs Jahren war auch ein Spielplatz für den Enkel einzuplanen. Inzwischen ist er dem Sandhaufen entwachsen, sodass Edith Soyer an dieser Stelle einen alten Traum realisieren lassen konnte: ein Wasserelement. Jürg Wildi baute ihr ein kleines, fünfeckiges Badebecken aus Granit, in das sie über Stufen hineingelangen und sich die Beine kühlen kann. Ganzen Artikel lesen? Hier Bioterra-Mitglied werden oder Probeheft bestellen. |









