Schattenspender

Meist klettern sie Fassaden oder Rankgerüste hoch. Doch blühende Kletterpflanzen machen sich auch auf Gehölzen gut. Stephan Aeschlimann Yelin von Gartenwerke in Eriswil erklärt, welche Kletterpflanzen sich für den Garten und die Terrasse eignen und wie man sie am besten zur Geltung bringt.

Von Stephan Aeschlimann Yelin

Sie ranken, schlingen und klettern, sodass gar ein Schloss für hundert Jahre darunter verschwinden kann: Kletterpflanzen. In ihrer grossen Fülle und Wuchskraft verleihen sie grauen Mauern mit ihrer wachsenden «Haut» Leben. Sie bringen halb abgestorbene Baumstrünke wieder zum Blühen oder schenken immergrünen Eiben ihren Flor, wo sonst keine Blütenfarbe zu sehen wäre. Wir stellen Ihnen eine Auswahl an empfehlenswerten Kletterrosen, Waldreben und Geissblättern vor. Alle wachsen nicht nur an Rankgerüsten, sondern können auch zu Gehölzen gepflanzt werden, was eigentlich ihren natürlichen Habitaten entspricht.         

rambler-bobby-james.jpgRomantische Kletterrosen

Keine Rose ohne Dornen. Ganz stimmt dieses Sprichwort nicht. Die Banks-Rose, botanisch Rosa banksiae var. lutea genannt, ist aus verschiedenen Gründen etwas Besonderes. Sie trägt nicht nur keine Dornen, sondern gilt als eine der ersten blühenden Rosen im Jahr. Auch in Bezug auf ihre Standortansprüche nimmt sie eine Sonderrolle ein. An trockenen und heissen Südfassaden, wo viele Kletterrosen schnell von Spinnmilben befallen werden, ist es ihr erst richtig wohl. In der Schweiz ist sie kaum in Gärten anzutreffen. Doch wer im April einmal in Florenz war und dort Gärten besucht hat, wurde von den Blütenkaskaden bestimmt in ihren Bann gezogen. Dort hängen die über sechs bis acht Meter langen Blütenranken von Judasbäumen oder Pinien herab. Diese sind bedeckt mit Büscheln von abertausenden gefüllten kleinen Blüten. Es scheint, als ob die stattlichen Bäume mit Girlanden geschmückt seien wie für ein Frühlingsfest. Ein Manko hat die Rose jedoch: Ihr fehlt der Duft. Teilweise wird sie als nicht ganz winterhart bezeichnet, was jedoch nicht stimmt. Sie gedeiht sogar auf 800 m Höhe im rauen Emmental. Nicht einmal die späten Frostnächte in diesem Frühling mit minus 5 °C konnten den Blüten etwas anhaben. Eine Meisterleistung für eine solche Pflanze.

Die Rambler-Kletterrose ‘Bobby James’ ist eine der besten kleinblütigen Sorten dieser Gruppe. Der Begriff Rambler steht für einmal blühende Kletterrosen, die sehr gesund sind. Besonders in Grossbritannien ist diese Rosengruppe beliebt. Die weissen Blüten von ‘Bobby James’ erscheinen in Büscheln und sind so zahlreich, dass das Laub kaum mehr zu sehen ist. In ihrer Form erinnern sie an Kirschblüten, sind jedoch halb gefüllt und duften kräftig. Die Blüten sind nicht steril und die kleinen Hagebutten im Herbst eine zusätzliche willkommene Zierde. Gefunden wurde die Sorte als Zufallssämling im Garten von Lady Serena James Anfang der 1960er-Jahre und ist nach ihrem Ehemann benannt. ‘Bobby James’ ist nichts für kleine Rosenbögen. Sie kann grosszügig dimensionierte Laubengänge oder Pergolen mit ihren Blütenkas-kaden verzaubern oder entlang von Hauswänden an Drähten oder Holzspalieren gezogen werden. Die langen Ranken können aber auch in alte Obst- oder Vogelbeerbäume geleitet werden. Falls die Rambler-Rose an ein Gehölz gepflanzt wird, sollte ein Abstand von mindestens einem Meter gewährt sein, damit sie besser Fuss fassen kann.
Weniger edel im Erscheinungsbild ist die Rose ‘American Pillar’. Manche halten die Sorte mit ihren leuchtenden karminroten Blüten für vulgär. Wer es zart und pastellig mag, lässt besser die Finger von dieser Sorte. ‘American Pillar’ hat aber eindeutig ein fröhliches, gesundes und kraftvolles Naturell. Am besten wirkt sie an einem rustikalen Zaun oder einer verwitterten Holzwand, umgeben von Stockrosen, Holunderbüschen, Staudenphlox und anderen munteren Partnern, wo sie einen bis spät in den Herbst hinein mit ihren Blüten grüsst.
Ideal für die Kultur in einem Trog auf der Terrasse oder an einem Rosenbogen ist ‘Ilse Krohn Superior’. Sie ist eine wüchsige, bis zu drei Meter grosse Kletterrose und blüht den ganzen Sommer über. Die cremeweissen Blüten haben die Form einer Edelrose und duften süss. Sie ist eine der besten grossblumigen Sorten für raue Lagen und neigt nicht zu Krankheiten wie Mehl- oder Sternrusstau. Im Garten kommt ihre edle Erscheinung vorzüglich mit silberblättrigen oder blau blühenden Stauden zur Geltung. Dies können Perlkörbchen, weiss blühende Kronen-Lichtnelken, Blauminze ‘Six Hills Giant’ oder Woll-Ziest sein.

Kletterrosen werden im späten Frühjahr geschnitten, vorzugsweise wenn das Wachstum einsetzt. Über die Art, wie Rosen geschnitten werden sollen, gibt es so viele verschiedene Meinungen, wie es Gärtner gibt. Eine pragmatische und einfache Regel führt aber auch hier zu sehr guten Resultaten: Gesunde Haupttriebe stehen lassen, schwache und alte Zweige an der Basis ganz entfernen, Seitentriebe auf kurze Zapfen zurückschneiden. Alle Rosen sind dankbar für eine gute Versorgung mit organischen Nährstoffen.

clematis-1.jpgBezaubernde Clematis

Waldreben gehören zu den beliebtesten Kletterpflanzen überhaupt. Das Angebot an verschiedenen Sorten ist unüberblickbar. Es fällt schwer, aus dieser Vielfalt die Sorte mit den besten Eigenschaften herauszusuchen. Zum Glück gibt es Pflanzengesellschaften wie die internationale Clematis Society. Die Gesellschaft hat eine Empfehlungsliste mit besonders gesunden, wüchsigen und unproblematischen Waldreben herausgegeben. Aus der Liste sollen hier für einmal nicht die früh blühenden Montana-Sorten zum Zug kommen, sondern die unbekannten, spät blühenden. Wie es der Sortenname ‘Summer Snow’ bereits andeutet, blüht diese Waldrebe im Sommer. Die einfachen Blüten erscheinen in Büscheln über mehrere Wochen bis in den Herbst hinein. Durch ihre wohlproportionierte Grösse wirkt ‘Summer Snow’ natürlich. Sie ist bestens geeignet, um Schatten unter einer Pergola zu erzeugen, denn sie kann in einem Jahr Triebe von zwei Metern und mehr bilden. Schöne Kombinationen ergeben sich, wenn ‘Summer Snow’ in silberlaubige Gehölze hochgeschickt wird wie in die Weidenblättrige Birne oder die Ölweide. Auch die Sorte ‘Rubromarginata’ blüht bis Anfang Oktober und kann bis fünf Meter lange Triebe bilden. Die sternförmigen Blüten sind filigrane Gebilde. Sie duften süss und zeigen einen zarten Farbverlauf von Weinrot an den Spitzen zu Weiss in der Mitte. Ein besonders harmonisches Bild ergibt sich, wenn die Ranken der Waldrebe die silbrigen Zweige der Rosmarinweide, Salix elaeagnos ‘Angustifolia’, umgarnt. Ein malerisches Bild und farblich eine Einheit bildet sie mit der heimischen Hechtrose. Waldreben gibt es aber nicht nur in zarten Pastellfarben. Die Kronblätter von ‘Golden Tiara’ sind sattgelb, mit auffälligen, dunkelvioletten Staubfäden. Die Blütezeit ist im Sommer und dauert über zehn Wochen. Sie verträgt mehr Trockenheit als andere Waldreben und ist daher auch gut geeignet für grosse Töpfe und Tröge. Da all die erwähnten Clematissorten am einjährigen Holz blühen, können die Pflanzen gut im Frühling zurückgeschnitten werden. Sie lieben durchlässige, humose und nährstoffreiche Böden, sind aber sonst anspruchslose und gesunde Gartenpflanzen.            

geissblaetter.jpgDuftende Geissblätter

Kletternde Geissblatt-Arten wurden bereits im 16. Jahrhundert gezogen. Sie waren schon damals sehr beliebt, vor allem wegen ihres betörenden Dufts. Die Auslese des heimischen Wald-Geissblatts, Lonicera periclymenum ‘Serotina’, trägt creme-weisse Röhrenblüten, die Aussenseite ist violett-rot. Sie verströmen vor allem in den Abendstunden ihr intensives Parfum und werden gerne von Nachtfaltern besucht. Hauptblütezeit ist Juni bis Juli, im Herbst erscheint eine Nachblüte. Die roten Beeren sind leicht giftig. Dieses Geissblatt ist ideal, um Lauben und Pergolen zu begrünen, unter dessen Blätterdach besonders die Abendstunden genossen werden können. Der Boden sollte gut feucht, humos und mit organischen Nährstoffen versorgt sein. Dies gilt grundsätzlich für alle kletternden Geissblätter. Die Sorte Lonicera x heckrottii gehört zu den gartenwürdigsten Auslesen. Sie ist ausserordentlich reich blühend, ohne Unterbruch von Juni bis in den Oktober hinein. Die röhrenförmigen Blüten leuchten aussen purpurrot, auf der Innenseite sind sie weiss bis hellgelb im Verblühen. Der süsse bis blumig frische Duft ist kaum zu überbieten. Gezogen wird diese Sorte am besten an Drähten an Mauern oder Säulen. In England trifft man sie in historischen Gärten als Stämmchen gezogen in Kombination mit alten Rosensorten, duftenden Königs-Lilien, Storchschnäbeln und Staudenphlox. Leuchtend gelb-orange erscheinen die grossen Blüten einer Geissblatt-Sorte, die vor fast hundert Jahren in Ungarn gezüchtet worden ist. Sie trägt den Namen L. tellmanniana, wächst kräftig und bildet schnell ein Schattendach über Metall- und Holzkonstruktionen. Sie benötigt eher geschützte Lagen, und ihr Wert liegt vor allem in ihrer besonderen Blütenfarbe.      

Quelle

Zeitschrift «Bioterra»,
Bioterra Magazin Juli/August 2017
(Samstag, 01. Juli 2017)
Kategorie: 
Blumen - Zierpflanzen